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Welcome to Malawi… https://welcometomalawi.de ...the warm heart of Africa Sun, 03 Jun 2018 15:46:37 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.15 Zweite Eindrücke https://welcometomalawi.de/zweite-eindruecke https://welcometomalawi.de/zweite-eindruecke#comments Sun, 03 Jun 2018 15:39:27 +0000 https://welcometomalawi.de/?p=468 Liebe Leser!

Nachdem der letzte Beitrag a) sehr text- und b) sehr autolastig war, möchte ich euch heute mal wieder ein paar neue Eindrücke der letzten Wochen hier in Form von Bildern geben. Ich versuche, mit möglichst aussagekräftigen Bildtiteln jeglichen Unklarheiten vorzugreifen. 🙂

Viel Spaß und viele Grüße, euer Holger

Erick tritt ins Mannesalter ein... Erick tritt ins Mannesalter ein... ...und freut sich! ...und freut sich! Die Geburtstagsüberraschung ist gelungen! Die Geburtstagsüberraschung ist gelungen! Schreinerei Schreinerei Mein neuer Kleiderschrank und Regal - endlich Ordnung! Mein neuer Kleiderschrank und Regal - endlich Ordnung! Schreinerei Schreinerei Verladen zum Transport nach Hause Verladen zum Transport nach Hause Verladen zum Transport nach Hause Verladen zum Transport nach Hause Verladen zum Transport nach Hause Verladen zum Transport nach Hause 90-jähriges Jubiläum der Neuapostolischen Kirche Sambia mit Übertragungs-Gottesdienst aus Lusaka 90-jähriges Jubiläum der Neuapostolischen Kirche Sambia mit Übertragungs-Gottesdienst aus Lusaka Ants on a Tree - Sehr lecker! Ants on a Tree - Sehr lecker! Die Hunde sollen kommen! Die Hunde sollen kommen! James - ein Freund von George und nun von mir James - ein Freund von George und nun von mir Garküche vor einer Bar Garküche vor einer Bar Mmmh... Mmmh... Metzgerei auf dem Weg nach Mzuzu - hier wird jeden Tag eine Kuh verarbeitet Metzgerei auf dem Weg nach Mzuzu - hier wird jeden Tag eine Kuh verarbeitet Erick kauft 10 kg Rindfleisch. Erick kauft 10 kg Rindfleisch. Ich und die Kuh (von links nach rechts) Ich und die Kuh (von links nach rechts) Chambo - der heimische Barsch - sehr lecker! Chambo - der heimische Barsch - sehr lecker! Demeter in Malawi! Demeter in Malawi! Fuso Canter mit gebrochener Blattfeder - kein Problem! Fuso Canter mit gebrochener Blattfeder - kein Problem! Fuso Canter mit gebrochener Blattfeder - kein Problem! Fuso Canter mit gebrochener Blattfeder - kein Problem! Malawische Beerdigung auf dem Land - ein ganz besonderes Erlebnis... Malawische Beerdigung auf dem Land - ein ganz besonderes Erlebnis... Im Feld Im Feld Im Feld Im Feld Im Barber Shop - Einheimische bezahlen 800 Kwachae - "Andere Rassen" 1500. Erick lädt mich ein. :-) Im Barber Shop - Einheimische bezahlen 800 Kwachae - "Andere Rassen" 1500. Erick lädt mich ein. 🙂 Bierchen mit Anthony Bierchen mit Anthony Anthonys Familie in Rumphi, ganz im Norden Anthonys Familie in Rumphi, ganz im Norden Anthonys Familie in Rumphi, ganz im Norden Anthonys Familie in Rumphi, ganz im Norden Im Projekt: Business Management Training für Kleinbauern Im Projekt: Business Management Training für Kleinbauern Bewässerungskanal zur Anbaumöglichkeit in der Trockenzeit Bewässerungskanal zur Anbaumöglichkeit in der Trockenzeit Brettspiel DIY Brettspiel DIY Carlsberg green liegt vorn. Carlsberg green liegt vorn. Malawische Gastfreundschaft - zu Hause bei Erick in Mzuzu Malawische Gastfreundschaft - zu Hause bei Erick in Mzuzu Sowas wie in Stuttgart der Döner nach dem Feiern... Sowas wie in Stuttgart der Döner nach dem Feiern... Fällt was auf? Fällt was auf? Bohrloch mit Pumpe Bohrloch mit Pumpe Der Trainer fährt Yamaha Der Trainer fährt Yamaha Mittagessen während des Trainings Mittagessen während des Trainings Barber Shop und Handyladen! :-) Barber Shop und Handyladen! 🙂 Irgendwas stimmt da nicht... Irgendwas stimmt da nicht... Nach dem Training wurden wir reich beschenkt - das ging zu Herzen! Nach dem Training wurden wir reich beschenkt - das ging zu Herzen! Schweißerei Schweißerei Patrick, der Schweißer, unter dem Mercedes Patrick, der Schweißer, unter dem Mercedes Baugerüst Baugerüst Der Typ rechts heißt tatsächlich "Holga" oder so ähnlich. Ich dachte erst, er veräppelt mich. :-) Der Typ rechts heißt tatsächlich "Holga" oder so ähnlich. Ich dachte erst, er veräppelt mich. 🙂 Ich erinnere mich nicht mehr. Ich erinnere mich nicht mehr. Die Hunde des Nachbarn wollten mich fressen. Das war NICHT WITZIG! Die Hunde des Nachbarn wollten mich fressen. Das war NICHT WITZIG! Ericks Kinder Ericks Kinder Ölwechsel im Hinterhof. Die 550 Euro bei Nissan Malawi hab ich gespart. Ölwechsel im Hinterhof. Die 550 Euro bei Nissan Malawi hab ich gespart. Endlich: der Malawisee! Endlich: der Malawisee! Karibisches Feeling (so sagt man doch, ich war noch nie in der Karibik) Karibisches Feeling (so sagt man doch, ich war noch nie in der Karibik) Beach Boys Beach Boys Malambe - eine der abgefahrendsten Sachen, die ich je gegessen hab! Malambe - eine der abgefahrendsten Sachen, die ich je gegessen hab! Seit Wochen bin ich auf der Suche nach diesen Reifen! Leider haben sie nur 2 da... Seit Wochen bin ich auf der Suche nach diesen Reifen! Leider haben sie nur 2 da... Klo-Wächter im Club Klo-Wächter im Club Der Stern geht voran! :-) Der Stern geht voran! 🙂 Bei Familie Mbeya am Sonntag nach dem Gottesdienst Bei Familie Mbeya am Sonntag nach dem Gottesdienst Ben und ich fahren der Sonne entgegen Ben und ich fahren der Sonne entgegen Nightlife Chicken Nightlife Chicken Die 3 vom Grill Die 3 vom Grill '54, '74, '90, 2014, 2018! '54, '74, '90, 2014, 2018! Made in China, engineered in Winnenden! Fegen war gestern! Made in China, engineered in Winnenden! Fegen war gestern! Dorfglocke Dorfglocke Kohle! Kohle! Das reicht ne Weile! Das reicht ne Weile! Da ist man mal paar Tage weg... Da ist man mal paar Tage weg... Schutzleiter? Was ist das? Schutzleiter? Was ist das?
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Der Mercedes unter den Autos… https://welcometomalawi.de/der-mercedes-unter-den-autos https://welcometomalawi.de/der-mercedes-unter-den-autos#comments Sat, 02 Jun 2018 18:39:22 +0000 https://welcometomalawi.de/?p=385 Liebe Leser!

Um meiner großspurigen Ankündigung aus meinem ersten Beitrag gerecht zu werden, dass dieses Mal, in diesem Blog, im Vergleich zu meinem ersten von vor zehn Jahren in Südafrika alles besser wird und ich regelmäßiger etwas schreiben werde, wird es höchste Zeit für einen neuen Eintrag! >>Edit: den letzten Satz schrieb ich bereits drei Wochen nach dem letzten Eintrag, also irgendwann Mitte April. Bis jetzt habe ich es nicht geschafft, diesen Artikel endlich fertig zu bekommen. Das soll sich heute – endlich – ändern!<< Die Zeit rennt auch hier unglaublich schnell dahin – anfangs war dies der Fall, weil eine Unmenge neuer Eindrücke auf mich einströmte. Inzwischen ist schon ein bisschen so etwas wie „Alltag“ eingekehrt – man gewöhnt sich eben auch an eine solch komplett andere neue Umgebung dann doch unglaublich schnell. Ich merke, dass mit dieser gewissen Art der Gewöhnung, des mehr und mehr Angekommenseins auch eine latente Gefahr der Lethargie einhergeht. Außerdem ist das Erstellen der Blogbeiträge mit doch recht hohem Zeitaufwand verbunden und ich habe es die letzten Wochen ein wenig hinausgeschoben und die freie Zeit an den Wochenenden anderweitig genutzt. Heute möchte ich euch aber endlich mal wieder ein Update geben und mich einem Thema widmen, dessen hohe Bedeutung für mich hier bereits in den ersten Tagen nach meiner Ankunft in Malawi deutlich wurde: meine individuelle Fortbewegung.

In der Vorbereitungsphase damals hatte ich diesen Aspekt im Gespräch mit den Kollegen von NAK-karitativ zwar kurz gestreift, wie es dann in der alltäglichen Praxis aussieht, steht aber eben auf einem anderen Blatt. Die Info, die ich vorab in Deutschland bekommen hatte: es gibt in Lilongwe keinen öffentlich-privaten Nahverkehr, wie wir das von zu Hause aus kennen, also weder Busse, noch Bahn, die regelmäßig, am besten einem festen Fahrplan folgend, fahren würden. In den vorherigen Beiträgen hatte ich ja bereits einige der Fortbewegungsarten der Einheimischen gestreift, bzw. erwähnt – zu Fuß oder per Fahrrad am Straßenrand.

Einige der Fahrräder dienen dabei nicht primär der Beförderung des Fahrers, sondern fungieren quasi als Einpersonentaxis. Dazu haben die Fahrdienstanbieter teils richtig innovativ die Gepäckträger ihrer Fahrräder zu Sitzplätzen für ihre Fahrgäste umfunktioniert – mit Polster und Haltegriff – letzterer meist ein umfunktionierter Fahrradlenker.

Ein weiteres Beliebtes Verkehrsmittel hier sind die sogenannten Motortaxis – dreirädrige rollerartige Fahrzeuge, die man sich am besten als Mischung aus Rikscha und Alberto-Pizza-Dreirad vorstellen kann. Einige stammen offenbar tatsächlich aus Italien, wurden zumindest vom italienischen Hersteller Piaggio produziert. Die Teile flitzen hier überall herum und können bis zu zwei Passagiere befördern, wenn ich das richtig gesehen habe.

Dann sind da noch die mini buses – Kleinbusse, meist japanischer Hersteller, die in Deutschland wahrscheinlich maximal acht Personen plus Fahrer befördern würden. Hier ist der Abstand an Sitzreihen jedoch deutlich enger als wir das kennen, sodass diese Fahrzeuge bis zu 15 Personen befördern können. Fährt man hinter einem Minibus her, sieht man, dass die Passagiere in der letzten Reihe mit ihrem Rücken die Heckscheibe der Kofferraumklappe berühren und man möchte sich nicht ausmalen, was bei einem Auffahrunfall passiert… In der Windschutzscheibe jedes Minibusses befindet sich gut sichtbar ein – meist von Hand gemaltes – Schild, auf dem die Nummer der jeweiligen Area steht, die angefahren wird. Bestimmte Orte in der Stadt dienen als eine Art Busbahnhof, wo viele der Busse vorbeikommen. Darüber hinaus halten die verschiedenen Busse an verschiedenen Stellen in der Stadt an – meist am unbefestigten Straßenrand, es gibt aber auch „echte“ Bushaltestellen. Wer die Busse als Insider kennt und benutzt, weiß sicher genau, wo und vielleicht auch ungefähr wann. Wer wie ich trotz der inzwischen dreimonatigen Aufenthaltsdauer doch immer noch ein Stück weit Beobachter von außen ist, dem erscheint das Ganze doch etwas chaotisch und die Busse als dauerhupende und tendenziell offensive Verkehrsteilnehmer. 😉

So. „Alles gut“, könnte man ja jetzt eigentlich meinen und sich fragen, warum ich dem Thema individuelle Fortbewegung einen eigenen Beitrag widme. Nun ja, neben dem Umstand, dass ich all die genannten Fortbewegungsmittel mit all ihren Besonderheiten von zu Hause her nicht gewohnt bin, entsprechen sie erstens weder von ihrer grundsätzlichen Beschaffenheit her noch von der Art, wie sie von den Fahrern durch den Verkehr manövriert werden, den lieb gewonnenen deutschen Sicherheitsstandards. Außerdem ermöglichen sie nicht in dem Maße die unabhängige und eigenständige Bewegungsfreiheit, die ich schlichtweg haben möchte. Die ersten beiden genannten Möglichkeiten der, nennen wir es einmal „manuellen“ – Fortbewegung zu Fuß oder zu Rad stellen für mich keine praktikable Option dar. Wie in einem der vorigen Beiträge beschrieben, teilt sich Lilongwe in viele aneinanderhängende, bzw. ineinander übergehende Wohngebiete auf, die im Innern von kleineren Straßen durchzogen und außen durch größere Straßen miteinander verbunden sind. Die quasi-öffentlichen Verkehrsmittel verbinden lediglich die „Hauptknotenpunkte“ und scheiden daher für eine autarke Form der Fortbewegung ebenfalls aus. Zwar bringen einen die Fahrrad- und Motortaxis auf Wunsch an jedes vorgegebene Ziel, möchte man jedoch von diesem Ziel wieder wegkommen, steht man im wahrsten Sinn des Wortes blöd da – am Straßenrand nämlich – sofern es sich um eine etwas abgelegenere Position handelt.

Taxis, wie wir es von zu Hause her kennen, gibt es in Art und Umfang nicht. Es existieren vereinzelte Taxiunternehmen und in den ersten Tagen habe ich auch ein paar Mal von dieser Möglichkeit,,mich fortzubewegen, Gebraucht gemacht. Wenn man dies aber häufiger tut, geht das auch hier in Malawi ins Geld. Die Taxifahrer begleiten einen zwar gern, beispielsweise bei einer kleineren Besorgungstour durch den Supermarkt, oder auch beim Abendessen, so richtig angenehm und frei habe ich das aber nicht empfunden. Außerdem bezahlt man dann eben auch beispielsweise eine volle Stunde. Um meinen Fahrer bei meiner ersten Ausfahrt per Taxi – sein Name war Blessings – nicht die ganze Zeit, während ich beim Einkaufen und Abendessen sein würde, im Auto warten zu lassen, habe ich ihn eben zum Essen mitgenommen – finanziell verschmerzbar, und beinahe schon bereichernd, was die sozialen Kontakte in der Anfangsphase angeht, auf Dauer aber eben auch keine Lösung.

Wie anfangs geschrieben, war für mich also schnell klar: Ich brauche ein eigenes Auto! Zunächst dachte ich daran, ein Auto zu mieten. Mietwagenunternehmen gibt es zwar – Avis ist beispielsweise vor Ort – dies ist für eine längerfristige Nutzung allerdings viel zu teuer (bei Avis schlägt der günstigste Mietwagen mit ca. 2.500 Euro pro Monat zu Buche). Mit dem Chef von Taxifahrer Blessings habe ich mich einmal getroffen, um Möglichkeiten zu erörtern, für den Fall, dass ich seine Taxifahrdienste häufiger in Anspruch nehmen würde. Mir schwebte so etwas wie eine Art Taxi-Flatrate vor. Der Taxiunternehmer, Paul, brachte hingegen den Vorschlag mit, dass ich eines seiner als Taxis laufenden Fahrzeuge zur Nutzung als Selbstfahrer mieten könnte. Neben dem Umstand, dass Blessings dadurch wahrscheinlich arbeitslos geworden wäre, hätte mich dies 400-500 Euro pro Monat gekostet. Von bürokratischen und rechtlichen Fragen wie Versicherung, etc. mal ganz abgesehen, hätte dies über die Zeit meines Aufenthalts hier also mindestens 3.500 Euro an Kosten bedeutet. Für das Geld würde ich auch die Kosten eines gekauften Autos decken können, dachte ich mir, inkl. Wertverlust und der weiteren Fixkosten. So startete für mich also das Kapitel „Autokauf in Malawi“.

Natürlich konsultierte ich hierfür mir alle zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stehenden Kontakte zu Einheimischen – vorwiegend also meine Kollegen auf der Arbeit, Anthony und Erick, sowie meinen Vermieter, Ben. Die einhellige Meinung aller, die ich um Rat und Empfehlung bat, war klar und eindeutig: „Kauf auf jeden Fall einen Toyota!“. Warum? Also, bitte, dass ihr das fragt, das ist doch wohl klar! 😉 Neben dem guten Ruf hinsichtlich Qualität, den Toyota ja grundsätzlich auch bei uns zu Hause genießt, spielen hier noch weitere Aspekte eine Rolle. So hat es Toyota geschafft, den afrikanischen Markt (ich wage hier nun einfach einmal eine kontinentübergreifende Verallgemeinerung über die Grenzen Malawis hinaus) derart zu durchdringen, dass die Ersatzteilversorgung wohl unerreicht gut ist. Sowohl was die Versorgung als solche im Sinn der bloßen Verfügbarkeit betrifft, als auch die Kosten für Ersatzteile, ist Toyota die unangefochtene Nummer Eins. Und das eben neben dem ohnehin sehr guten Ruf, den die Marke hier genießt, was sich als weiteren Aspekt nicht zuletzt auch im hohen Wiederverkaufswert wiederspiegelt. Ohne es statistisch belastbar erfasst zu haben, ergibt eine stichprobenartige Zählung auf dem meist verkehrsdichten Weg zur Arbeit, dass wahrscheinlich tatsächlich jedes dritte oder maximal vierte Auto hier ein Toyota ist. Sowohl die massentauglichen Standardfahrzeuge wie Kleinwagen oder kleinere Limousinen, aber auch und ganz besonders die prestigeträchtigeren Fahrzeuge – Toyota deckt alles ab – und dies, zumindest ist dies die als allgemeine Wahrheit anerkannte Meinung der Bevölkerung, am allerbesten. Vor allem bei den letztgenannten, den großen und tendenziell teureren Fahrzeugen, wird deutlich, warum ich diesen Titel für diesen Beitrag gewählt habe: Toyota ist hier quasi der Mercedes unter den Autos! Vom unzerstörbaren und universell einsetzbaren Pickup Hilux, über den Fortuner bis hin zum legendären Land Cruiser – wer hier Wert auf Qualität, Robustheit und Zuverlässigkeit legt, oder wer einfach nur genug Geld hat und dies auch nicht unbedingt verbergen möchte, fährt eines der genannten, allesamt hervorragend geländetauglichen Modelle.

Wie ist das denn dann aber mit Mercedes in Malawi, wenn Toyota schon diesen Platz beansprucht? Gute Frage. Da es über Mercedes einfach nichts gibt, gibt es für Mercedes selbst hier keine weitere Beschreibung. 😀 Man sieht hier – gaaanz vereinzelt – tatsächlich auch immer wieder einmal einen „Daimler“ – natürlich löst das bei mir dann immer ein Gefühl einer besonderen Verbundenheit aus – vor allem, wenn ich mir dann bewusst mache, in welchem unserer Werke das jeweilige Fahrzeug einmal gebaut worden ist. Menschen mit viel Geld fahren hier schon auch mal Mercedes. Im Lauf der Zeit habe ich auch ein paar davon kennengelernt oder zumindest kurz gesprochen. Mein Fazit ist, dass man sich hier keinen Gefallen tut, wenn man hier einen Mercedes fährt. Wenn es sich nicht gerade um die extrem seltenen M-Klassen handelt, ist ein Mercedes hier erstens einfach total unpraktisch. Zweitens bekommt man lokal schlichtweg keine Ersatzteile, sodass für jede Inspektion und für jede Reparatur die entsprechenden Materialien und Ersatzteile aufwändig und teuer aus Südafrika importiert werden müssen. Drittens mangelt es an flächendeckend vorhandenem fachkundigen Personal, um die zwar ausgefeilte, häufig aber empfindliche, nicht primär für afrikanische Verhältnisse erdachte Technik fachgerecht zu behandeln. Wer aber noch etwas mehr aus der ohnehin überschaubaren Masse derjenigen herausstechen möchte, die es sich finanziell leisten können, fährt – trotzdem – schon mal Mercedes.

Nach der Entscheidung „dass“, stellte sich für mich nun die Frage „Was?“. Ein Pickup war irgendwie schon immer ein Traum von mir. Groß, robust, kommt überall durch. Nachdem ich unseren Hilux der Organisation bei einem der ersten Feldeinsätze gefahren war, war mein Wunsch umso größer, während meines „Abenteuers Afrika“ solch ein Teil fahren zu wollen. Die von Anfang an mehreren kleinen „Aber“ in meinem Hinterkopf verdrängte ich fleißig und ließ dem kleinen Kind in mir Raum, das sagte „Ich will einen Hilux!“. Auf jeden Fall wollte ich ein Auto, das den etwas abenteuerlicheren Straßenverhältnissen in Malawi strotzen würde und mit dem ich auch abseits befestigter Wege „überall“ durchkommen würde. 

Autos kauft man hier üblicherweise auf einem der Automärkte – davon gibt es in Lilongwe zwei. Die meisten Fahrzeuge, die dort angeboten werden, stammen aus Japan und sind in Malawi noch nicht zugelassen. Vor allem über eine große japanische Internetplattform, Be Forward, kommen „neue“ Fahrzeuge ins Land. „Neu“ heißt hier „neu gebraucht“, also Gebrauchtwagen, die von Japan aus in alle Welt verschifft werden. Für Malawi stellt Be Forward DIE Quelle für Gebrauchtwagen dar. Bei den Autos handelt es sich um meist (sehr) gut erhaltene gebrauchte, die ausführlich beschrieben mit allen technischen Details und vielen aussagekräftigen Fotos angeboten werden. Man kann sich als Endkunde direkt über die Website von Be Forward ein Auto aussuchen und bestellen.

Die Gebrauchtwagenpreise als solche sind in der Regel überschaubar. Zum reinen Kaufpreis (Cost) hinzu addiert werden dann aber noch der Seetransport von Japan bis zum gewünschten Anlegehafen inkl. Hafengebühren (Freight) sowie die Transportversicherung (Insurance) – zusammen ergibt sich der vorläufige Gesamtpreis – CIF. Damit ist es aber noch nicht getan. Malawi erhebt auf quasi alle Güter, die dauerhaft ins Land eingeführt werden sollen, exorbitante Einfuhrgebühren. Diese setzen sich in der Regel aus Einfuhrzoll (Import Duty), einer gesonderten Steuerabgabe (Excise) und Mehrwertsteuer (Value Added Tax, VAT) zusammen. Während die Mehrwertsteuer allgemein 16,5 Prozent beträgt, unterscheiden sich die weiteren Einfuhrgebühren für Zoll und Steuer je nach eingeführter Ware und Beschaffenheit. Für Fahrzeuge sind in erster Linie das Baujahr (je neuer, desto geringer die Einfuhrgebühren) sowie der Motorhubraum (je kleiner der Motor, desto geringer die Einfuhrgebühren) ausschlaggebend. Wer tiefer einsteigen möchte, findet die Berechnungsmethode der Malawi Revenue Authority (MRA) hier. Für alle anderen sei zusammenfassend gesagt, dass die Einfuhrgebühren für ein Fahrzeug mindestens 41,5 Prozent und höchstens 151,5 Prozent des CIF-Werts betragen. Typischerweise, für ein Fahrzeug, das älter als acht aber jünger als zwölf Jahre ist und einen Zwei-Liter-Motor besitzt, müssen grob zwischen 85 und 100 Prozent Einfuhrgebühren einkalkuliert werden. Anhand einer kleinen Beispielrechnung wird deutlich, dass ein Auto, das umgerechnet „eigentlich“ nur 5.000 Euro kostet (Angebotspreis bei Be Forward), wird nach Transport und Einfuhrgebühren vor Ort in Malawi ganz schnell ca. 12.000 Euro kostet.

Zurück zum lokalen Automarkt in Lilongwe. Hier bieten lokale Autohändler die aus Japan importierten Fahrzeuge an. Bei noch nicht in Malawi registrierten Fahrzeugen wird unterschieden zwischen dem Preis „ohne alles“ und dem Preis „alles inklusive“ – nur letzterer ist also wirklich relevant und man kann sich als Interessent sicher sein, dass der Händler sich vorab um alles gekümmert hat und keine weiteren versteckten Kosten schlummern. In den ersten Tagen nachdem ich die Entscheidung getroffen hatte, ein eigenes Auto für die Zeit meines Aufenthalts hier in Malawi kaufen zu wollen, ging Anthony mit mir auf einen der Automärkte Lilongwes, einer befindet sich nur einen Steinwurf von unserem Büro entfernt. Die Auswahl an für mich in Frage kommenden Fahrzeugen war allerdings recht gering – geländegängige Toyotas gab es gar keine. Dafür ein paar ganz nett anzuschauende Nissan X-Trails, Baujahre 2008-2009. Nissan ist mit etwas Abstand die klare Nummer zwei nach Toyota hier in Malawi und auch auf Be Forward stellt Nissan nach Toyota die meisten Angebote an Gebrauchtfahrzeugen. Von dem Gedanken beherrscht, dass es ein Toyota, am besten ein älterer Hilux oder Land Cruiser sein sollte, ging die Suche zunächst in diese Richtung weiter. Wir fuhren auf den zweiten Automarkt am anderen Ende der Stadt. Dort bot sich aus der grundsätzlich in Frage kommenden Fahrzeugkategorie ein ähnliches Bild – eine ganze Reihe an X-Trails und zwei Toyota RAV4s, letztere aber außerhalb des Budgets. Den Händlern auf den Automärkten erklärte ich, was ich suchte und speicherte ihre Handynummern ab – sie würden sich umschauen und versprachen, sich zu melden.

Wieder im Büro angekommen, zeigte mir Anthony die Anzeigenseiten der beiden Tageszeitungen, die wir im Büro abonniert haben. Dort erscheinen jeden Tag (!) Autokleinanzeigen. Eifrig begann ich, potentiell interessante Inserate zu markieren, um die Anbieter anschließend zu kontaktieren. In den darauffolgenden Tagen schaute ich mir mehrere der angebotenen Fahrzeuge an. Entweder Anthony oder Ben begleiteten mich dann zu den telefonisch mit den Verkäufern vereinbarten Treffpunkten, oder ich handelte mit den Anbietern aus, dass diese ihre Fahrzeuge bei uns vorm Büro vorführten. Dies zu erreichen, war einfacher als ich erwartet hätte. Meine Interpretation nach ein paar Wochen der intensiven Fahrzeugsuche: 1. Viele der Verkäufer verkaufen ihr Fahrzeug aus Geldnot, ein Thema, das hier in verschiedener Form allgegenwärtig ist. 2. Der Automarkt ist ganz klar ein Käufermarkt – die Nachfrage hält sich aufgrund von 1. tendenziell in Grenzen.

Leider musste ich im Laufe meines Fahrzeugbesichtigungsmarathons einer (für mich) traurigen Realität ins Auge blicken und folgendes erkennen: Gebrauchtwagen in Malawi sind grundsätzlich nicht mit Gebrauchtwagen in Deutschland zu vergleichen. Fahrzeuge, die zwar auf den Fotos ganz vielversprechend aussahen und von den Verkäufern durchweg als „makellos“ angepriesen wurden, stellten sich häufig als nicht mehr heraus, was wir zu Hause als bessere Schrottkarre bezeichnen würden. Immer mehr verstand ich, warum es quasi als Auszeichnung mit Stern erachtet wurde, wenn hier ein aus Japan stammendes gebrauchtes Fahrzeug „unregistered“, also noch nicht registriert, ist. Häufig war in diesem Zusammenhang auch von „brand new“ die Rede – ein brandneues, zehn Jahre altes gebrauchtes Auto, also. 😉 Über mehrere Wochen brachte ich mit der Suche nach einem geeigneten Auto zu – schlussendlich zunächst erfolglos. Je mehr ich mich hier in Malawi zurechtfand, umso mehr verstand ich auch, wie welches Auto hier angesehen wird und umso mehr wurden auch meine weiter oben erwähnten, zwar anfänglich bereits vorhandenen, aber bislang erfolgreich nicht beachteten Stimmen des Zweifels an meiner ursprünglich getroffenen Fahrzeugauswahl lauter. Als ich gerade an einem Toyota Fortuner „dran war“ und mich beim Betrachten der Fotos auf meinem Handy immer wieder selbst gefragt hatte, ob dieses Fahrzeug nicht vielleicht doch ein bisschen zu protzig rüberkommen würde, ergab sich ein für mich sehr wichtiges und richtungsweisendes Gespräch über das Thema mit Anthony. Ich äußerte meine Gedanken und Zweifel daran, ob meine ursprüngliche Wunschfahrzeugkategorie für mich, ganz persönlich, in meiner Situation, tatsächlich die richtige sei: der große panzerartige Pickup Hilux oder seine Artverwandten Fortuner oder Land Cruiser. Vor allem die beiden letztgenannten stellen hier in Malawi die Luxusklasse dar und selbst die für mich in Frage kommenden, älteren und dadurch bezahlbaren Modelle wirken einfach ziemlich mächtig und protzig. Die neueren Modelle des Hilux ebenso. Wir kamen in diesem Gespräch gemeinsam, doch irgendwo auch jeder für sich, unabhängig, zu dem Ergebnis, dass das für meine Rolle hier – als Freiwilliger einer kleinen, im Wachstum befindlichen Hilfsorganisation – nicht unbedingt das Richtige darstellen würde. Um meiner Basisanforderung, dass es ein einigermaßen geländetaugliches Fahrzeug sein sollte, immer noch gerecht zu werden, reduzierte sich die Auswahl aus dem Hause Toyota auf genau ein einziges verbleibendes Modell – den oben bereits erwähnten RAV4.

Ihr, liebe Leser, mögt euch jetzt vielleicht fragen, warum ich denn dann nicht einfach von dieser die Auswahl stark reduzierenden Einschränkung – Toyota – abgewichen bin. Das hatte zunächst die weiter oben beschriebenen Gründe. Nicht zuletzt habe ich bei der Fahrzeugsuche von Anfang an auch auf kommenden Dezember geschaut, wenn ich das Land wieder verlassen würde. Natürlich wollte ich mit dem Fahrzeugkauf am Ende und unterm Strich so wenig Geld wie möglich „kaputt machen“ – der hohe Wiederverkaufswert, den ein Toyota hier quasi garantiert, war ein wichtiges Argument. Auf der anderen Seite wollte ich auch einfach gern zur „Toyota-Familie“ dazugehören – schließlich fahren sowohl meine beiden Kollegen Anthony und Erick, als auch mein Vermieter Ben selbst auch Toyota… 🙂

Nachdem ich sowohl die Nissan X-Trails als auch den Toyota RAV4 ganz am Anfang als vermeintliche „Möchtegern-Offroader“ direkt verworfen hatte, rückte diese Kategorie nach der beschriebenen Kurskorrektur wieder in den Fokus – mit Priorität auf dem RAV4. Ich kontaktierte die ganzen Autohändler, deren Nummern ich in meinen Kontakten unter „Car …“ gespeichert hatte, also erneut und teilte ihnen mein neues Beuteschema mit. Die Reaktion war durchgehend „Möglich, aber schwierig und teuer!“. Um es etwas abzukürzen – nach ein paar Tagen wurde ich über mehrere Ecken zum Eigentümer und Verkäufer eines den Fotos nach zu urteilen sehr gut erhaltenen RAV4 von 2007 geführt. Der Verkäufer brauchte kurzfristig Geld und verkaufte das Fahrzeug deswegen. Leider befand sich das Auto in der südlichen Metropole des Landes, Blantyre, die ca. 360 km und damit ca. viereinhalb Fahrtstunden entfernt liegt, und war daher nicht ohne Weiteres anzuschauen. Der Verkäufer machte einen freundlichen und vertrauenerweckenden Eindruck und wir einigten uns bereits per WhatsApp auf einen Preis, den ich bezahlen würde, sollte das Auto tatsächlich meinen Vorstellungen und dem beschriebenen Zustand entsprechen. Daraufhin vereinbarten wir, dass er das Auto nach Lilongwe bringen sollte, ich würde mich an den Spritkosten beteiligen. Um noch einmal etwas mehr abzukürzen: Das Auto hatte auf dem Weg von Blantyre nach Lilongwe einen Unfall, der Fahrer, der Blantyre nachts / früh morgens verlassen hatte, war wohl eingeschlafen und mit einem größeren Stein auf dem Grünstreifen kollidiert, der unter anderem ein Loch in die Ölwanne riss. Der Verkäufer, George, kam an besagtem Tag persönlich bei uns im Büro vorbei, um mir diese Hiobsbotschaft zu überbringen.

Ich war zunächst am Boden zerstört und konnte es nicht fassen. Mein Unmut war mir offenbar deutlich anzumerken – dies spiegelten mir sowohl meine Kollegen Anthony und Erick, als auch mein Vermieter Ben in den folgenden Tagen wieder: „One could see the anger in your face“ und so… 😉 Hatte mich das Kapitel Auto und die Suche nach einem geeigneten Exemplar nun doch schon mehrere Wochen beschäftigt, hatte ich endlich ein wirklich vielversprechendes gefunden und nun war dies nicht mehr verfügbar… 🙁

Auch George, der übrigens in einer Mercedes C-Klasse (Baureihe 204) vorgefahren kam, um mir die schlechte Nachricht mitzuteilen, spürte, dass ich mit der Situation alles andere als zufrieden war. Kurzerhand bot er mir an, mir bei der Suche nach einem geeigneten Alternativfahrzeug behilflich zu sein – was sich wiederum als echter Glücksfall herausstellte.

George, ziemlich genau mein Alter, arbeitete früher bei einer malawischen Bank, die vor kurzem von einer anderen Bank übernommen wurde. Er war dort in einer leitenden Funktion im Kreditgeschäft aktiv und bei der Übernahme durch die neue Bank wurden vor allem die Führungskräfte nicht mitübernommen, sodass er seinen Job verlor. Der Verlust des verunfallten Autos bedeutete für ihn am Ende ein größeres Problem als für mich: Er verkaufte das Auto aus Geldmangel – ein Phänomen, das man hier wie gesagt sehr häufig antrifft. Nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes sitzt ihm nun die Bank im Nacken, über die er sein Haus im Rahmen eines damaligen Mitarbeiterkredits mit entsprechend guten Konditionen und zusätzlicher Subventionierung des ehemaligen Arbeitgebers als entgeltwirksame Zusatzleistung finanziert hat. Der Erlös durch den Verkauf des Autos sollte dazu dienen, einen Großteil der verbleibenden Forderung zu bedienen, andernfalls droht die Bank mit der Pfändung des Hauses. Das Auto war zwar ausreichend versichert (eine Art Vollkaskoversicherung), jedoch dauert es hier in der Regel bis zu mehrere Monate, bis die Versicherungen im Schadensfall die vertraglich vereinbarten Zahlungen dann auch tatsächlich leisten…

Ok, zurück zu mir! 😉 Jedenfalls ging die Suche nach einem geeigneten Auto weiter – diesmal mit Georges Hilfe, der sich sehr gut auskennt – als Einheimischer generell und auch speziell was den malawischen Gebrauchtwagenmarkt angeht. Im Laufe des Prozesses ermutigte ich George mehrere Male, dass er seine Dienste in der Beratung zur Auffindung und zur Kaufabwicklung geeigneter Fahrzeuge als berufliches Standbein ausbauen sollte, weil er eben von Anfang an einen sehr zuverlässigen und vertrauenerweckenden Eindruck erweckt hat. George fand Gefallen an dieser Idee und versucht nun unter anderem damit etwas Geld zu verdienen.

Wir konzentrierten uns bei der Suche wieder auf einen Toyota RAV4 als die vermeintliche eierlegende Wollmilchsau unter den kleinen SUVs in Malawi: qualitativ hochwertig, zuverlässig, gute Ersatzteilverfügbarkeit, hoher Wiederverkaufswert, (einigermaßen) offroadtauglich- und das alles garniert mit der japanischen Mercedes-Ellipse. 😉 Wie bereits zuvor erfahren und oben erwähnt, sind diese Fahrzeuge jedoch selten und verhältnismäßig teuer. Wenn man noch auf der Käufer- und noch nicht auf der Verkäuferseite steht, ist der Begriff „hoher Wiederverkaufswert“ eher hinderlich… Je mehr wir suchten, umso mehr lernte ich den Markt kennen und erkannte, dass ich entweder meine Ansprüche zurück- oder mein Budget nach oben schrauben musste. Da meine Überlegung war, am Ende unterm Strich mit so geringen Kosten wie möglich aus dem Unterfangen „Autofahren in Malawi“ herausgehen wollte, ordnete ich den Punkt „Anschaffungspreis“ dem Punkt „Restwert“ unter und entschied mich für Letzteres – das Anheben meines ursprünglich angedachten maximalen Kaufpreises. Wir fanden schließlich ein „brandneues gebrauchtes“ Exemplar, das in Malawi noch jungfräulich, also unangemeldet, auf dem Parkplatz des Automarktes auf einen neuen Eigentümer wartete. RAV4, Baujahr 2008 oder 2009 – hierzu gab es missverständliche Aussagen, dazu später mehr, himmelblau – wirklich nett anzuschauen und optisch im Topzustand. Genauer gesagt war mir dieses Fahrzeug nicht gänzlich unbekannt; Anthony und ich hatten es bereits bei unserer ersten Erkundungstour in den ersten Tagen einige Wochen zuvor bereits dort stehen sehen (siehe oben) und damals einen Kaufpreis von 13 Millionen Kwacha genannt bekommen – damals für mich völlig utopisch, so viel Geld in ein Auto zu stecken und damit im wahrsten Sinn des Wortes in Malawi zu parken, mit allen Risiken, die damit verbunden sind. Die leicht windig wirkenden beiden Verkäufer, die mir dieses Auto zusammen mit einem fast identischen vorführten, ließen sich nach einigem Hin- und Her auf einen „last price“ von 10,5 Millionen herunterhandeln.

An dieser Stelle sei ganz bescheiden angemerkt, dass mir meine Verhandlungsfähigkeiten inzwischen mehrfach von Einheimischen als „gut“ bescheinigt wurden. 🙂 Einerseits war das ja auch bis vor gar nicht mal so langer Zeit mein Job beim Daimler, andererseits empfinde ich die Malawier selbst tendenziell und allgemein in ihrer meist sehr höflichen Art eher etwas zu sehr zurückhaltend, was das vielleicht dreist erscheinende Fordern eines besseren Preises angeht. Natürlich bin ich mir jedoch bewusst, dass mir hier keiner was schenken wird und ich gleichzeitig immer Gefahr laufe, den „mzungu price“ zu bezahlen (dazu später und evtl. in einem der folgenden Artikel mehr). Deswegen habe ich bisher immer versucht, mit einer satten aber nicht unrealistischen Forderung in Preisverhandlungen zu starten, was meist recht gut funktioniert hat.

Ok, 10,5 Millionen, vielen Dank, wir überlegen es uns – so haben wir uns von den beiden netten Herren Gebrauchtwagenhändler verabschiedet. Auf demselben Automarkt standen ja – von Anfang an – die bereits erwähnten Nissan X-Trails herum. Auch diese schauten wir uns nun noch einmal genauer an und fanden dabei ganz ansehnliche Exemplare. Preis je nach Baujahr und Motorisierung zwischen 8,5 und 10 Millionen. Abgespeichert.

Wir fuhren in das Büro unserer Organisation und ich war hin- und hergerissen. Laut denkend zählte ich George gegenüber noch einmal zusammenfassend die Vor- und Nachteile der jeweiligen Fahrzeuge auf, die ich in den Tagen zuvor schon mit Anthony, Erick, Ben und mit weiß ich was alles hoch- und herunter abgewogen hatte. George fragte mich nochmals, welches Baujahr der RAV4 habe. 2009. Das kann nicht sein, das muss einer von 2008 ein – so George, immerhin seines Zeichens langjähriger Besitzer eines – inzwischen zu Schrott gefahrenen – gleichen Modells. Nein, 2009, versicherte ich ihm – so hatten es uns die Händler zuletzt über den himmelblauen RAV4 zugesichert. Nun gut. Schlussendlich bat ich George „Ruf die an, für 10 Millionen nehm‘ ich den RAV4!“. Es folgte mal wieder eines der vielen Gespräche in Chichewa, von denen ich nichts verstand. Am Ende seines Telefonats fragte ich George, was Sache sei. Ziemlich ernüchtert und für mich ernüchternd erklärte mir George, dass ihm die Verkäufer am Telefon auf seine insistierende erneute Frage nach dem Baujahr schlussendlich geantwortet hatten, was er bereits befürchtet gehabt hatte: Das Auto ist von 2008, die Freunde hatten jedoch bei der Einführung nach Malawi die Fälschung der offiziellen Dokumente veranlasst und das Baujahr auf 2009 umgeschrieben. Warum? Weil für Fahrzeuge, die etwas neuer sind – und hier war in diesem konkreten Fall 2008/2009 eben die magische Grenze – geringere Einfuhrgebühren zu entrichten sind (siehe oben). Na toll! Ich wollte auf keinen Fall ein Fahrzeug mit gefälschten Papieren kaufen, schließlich hatte ich genug Horrorgeschichten über Fälle gehört, bei denen die Käufer entsprechender Fahrzeuge am Ende die Gelackmeierten waren und alles verloren hatten. So sah es auch George, er riet mir dringend davon ab, dieses Auto zu kaufen. Das andere, das die beiden im Sortiment hatten, hatte keinen Allradantrieb, schied für mich also von vornherein aus – vom noch weiter geschrumpften Vertrauen in diese Verkäufer allgemein mal ganz abgesehen.

„Dann wird es der X-Trail“ – die Entscheidung war gefallen!

Wer nun beim Lesen glaubt, dass damit nun alles gut, die Sache damit erledigt sein könnte und dass der Kauf mit allem drum und dran nur noch eine Formalie sein würde, der täuscht sich – wie ich es getan hatte. 🙂

Erstens ist der Artikel inzwischen mal wieder deutlich länger geworden als gedacht und geplant. Als Folge dessen hat es unter anderem deswegen so lange bis zu seiner Fertigstellung und Veröffentlichung gedauert. Zweitens erkenne ich, dass ich es nicht durchhalten werde, euch regelmäßig(er), in kürzeren Abständen einen Einblick in meine Erlebnisse hier zu geben (was nun nicht mehr zu beweisen sondern schon bewiesen ist, da der letzte Eintrag vor diesem hier bereits auf das Osterwochenende zurückgeht). Drittens möchte ich meine Nerven schonen und die folgende Odyssee des Kauf- und Anmeldeprozesses nicht noch einmal in all seiner Detaillierung durchmachen. Aus diesen drei Gründen folgt nun die „Kurzversion“ in chronologischer Reihenfolge (soweit ich es noch zusammenbekomme) mit ein paar der – im wahrsten Sinn des Wortes – aufregendsten Highlights:

Freitag, 23. März:

  • Kontaktierung des Verkäufers des Nissan X-Trail mit anschließender harter Preisverhandlung. Startpreis 8,5 Millionen, Verhandlungsergebnis 7,8 Millionen (für meine ehemaligen Daimler-Kollegen: REC-Lücke geschlossen!).
  • Verabredung für Samstag um mit allen dem Kauf vorangehenden Überprüfungen zu beginnen.

Samstag, 24. März:

  • Treffen mit dem Verkäufer. Erst mal zum Tanken, ich muss 4.000 Kwacha spendieren, damit wir weitermachen können, der Tank ist quasi im negativen Bereich.
  • Überprüfung bei der MRA (siehe oben): Wurde das Fahrzeug ordnungsgemäß eingeführt, sind die Papiere echt und in Ordnung? Versuch eins am Samstag, persönliche Überprüfung durch einen Beamten, die Papiere sind soweit in Ordnung. Die offizielle Bestätigung mit Systemabgleich kann erst am Montag erfolgen, ich meine, mich zu erinnern, dass es gerade keinen Strom gab.
  • Es wird klar, dass der Verkäufer des Fahrzeugs, sein Name ist Tendai, gar nicht der Eigentümer ist, dies ist ein Freund von ihm, mit dem er zusammen diese Geschäftle macht, sein Name ist Mcloud.
  • Überprüfung des technischen Zustands bei Nissan Malawi. Wir werden sehr zuvorkommend und freundlich empfangen. Die Werkstatt ist heute aber ausgebucht, wir sollen am Montag wieder kommen. Das Ganze soll nicht mehr als 40.000 Kwacha (ca. 45 Euro) kosten.
  • Treffen mit Mcloud (Achtung, bitte merken) auf dem Automarkt: Wir kaufen das Auto. Bitte stelle es über den Rest des Wochenendes nicht mehr auf den Automarkt, sondern parke es bei dir daheim. Ok.

Montag (nach Palmsonntag), 26. März:

  • George und ich gehen zum Road Traffic Department, der Behöre, die in Malawi alles regelt, was mit dem Straßenverkehr zu tun hat. Hier muss ich eine Traffic Register Card (TRC) beantragen – Voraussetzung, dass man ein Auto anmelden kann. Ich fülle das Formular aus und kreuze an, dass ich mit meinem deutschen Personalausweis ausweisen möchte (mein Pass ist gerade bei der Verlängerung meiner Aufenthaltsgenehmigung). Das geht nicht mehr so einfach, ist zwar noch auf dem Formular als Auswahlfeld aufgeführt, die Regeln wurden in der Zwischenzeit aber geändert (das Formular aber nicht), im muss zum Road Traffic Oberboss ins Büro, um meinen Personalausweis als ausnahmsweise zu akzeptierendes Ausweisdokument anerkennen zu lassen. Gesagt getan. Obwohl bereits jemand anderes in seinem Büro sitzt, schiebt mich George durch die Tür, ich könne jetzt rein. Das ist hier tatsächlich üblich, man geht einfach rein und wartet dann. Mal wieder eines dieser Büros, in denen einen der Präsident der Republik Malawi – Prof. Arthur Peter Mutharika – aus einem leicht schräg hängenden Bilderrahmen heraus anschmunzelt. Der offensichtlich hochdekorierte Beamte würdigt mich zunächst keines Blickes, macht irgendwas am Computer. Irgendwann begrüßt er mich dann doch recht freundlich – ich grüße zuvorkommendst zurück – und fragt mich, was ich wolle. Ich bringe mein Anliegen vor und erhalte nach weiteren Momenten des scheinbar Ignoriertwerdens seine Genehmigung. Es kann weitergehen! Damit zurück ins Büro der Sachbearbeiterin, wo ein Passfoto von mir gemacht wird. Außerdem die elektronische Erfassung meiner Fingerabdrücke. Dann zwei Türen weiter zur Mini-Niederlassung der NBS Bank, wo die Zahlung für die Karte geleistet werden muss. Zwischendurch immer wieder anstehen. Mit dem Zahlungsbeleg zur nächsten Tür. Hier bekomme ich schließlich meine TRC ausgehändigt und bin nun auch im Straßenverkehr Malawis kein Unbekannter mehr.
  • Das Auto wird für die nächsten Schritte von Mcloud zu unserem Büro gebracht. Der Kofferraum ist komplett voll mit Beschallungsequipment, das von Mcloud und seinen Kumpels ausgeräumt und in ein anderes Auto umgeladen wird. Ich entferne außerdem einen Palmzweig. 😀 Die Freunde hatten „mein“ Auto am Wochenende halt nochmal intensiv genutzt – immerhin offenbar im Auftrag des Herrn für eine Palmsonntagsveranstaltung in ihrer Kirche. Nun gut.
  • Zurück zum Nissan-Händler. Es ist ca. 11 Uhr. Das Auto kann überprüft werden, wird aber nicht vor 14 Uhr fertig werden. „Schaffen wir das heute alles noch, George?“ frage ich mit ungläubigem Ausdruck. „Don’t worry, wir schaffen das heute! Alles easy!“. Ich glaube es nicht so recht. Wir lassen das Auto bei Nissan und bitten um priorisierte Bearbeitung und unverzügliche Benachrichtigung, sobald das Auto fertig ist. Wir mischen uns zum ersten Mal unter die Fußgänger am Straßenrand auf der Suche nach einem Taxi, um damit ins Büro zu fahren, wo George sein Auto hat stehen lassen.
  • Wir essen in Ericks und meinem üblichen Mittagstischrestaurant schnell zu Mittag und gehen anschließend zur Bank, direkt um die Ecke. Ich hatte hier zuvor ein Bankkonto eröffnet und ausreichend viel Geld für den Kauf des Autos von Deutschland hierher überwiesen. Das hat erstaunlich schnell und reibungslos funktioniert. Die Gebühren waren überschaubar. Wer sich noch an einen meiner ersten Artikel erinnert, weiß: 1 Euro entspricht ca. 850 Kwacha. Die größte Banknote hier sind 2.000 Kwacha. Ich stelle mich am Bankschalter an und hebe 8,5 Millionen Kwacha ab. Meinen leeren Rucksack habe ich dabei. Nach der Überprüfung meiner aktuell vor Ort geleisteten Unterschrift auf dem Abhebungsformular mit der bei Eröffnung des Bankkontos gemachten und eingescannten Unterschrift am Bildschirm wird das Geld herangeschafft. Es sind dicke Bündel – jeweils 200.000 Kwacha mit Gummis zusammengebunden, davon wiederum fünf Bündel zu einem großen Eine-Million-Kwacha-Päckchen verschnürt. Ich bekomme acht dieser Päckchen und noch ein paar Bündel durch den Schalter hindurch geschoben. Schnell verstaue ich alles in meinem Rucksack und verlasse die Bank. Noch nie hatte ich so viel Bargeld auf meinem Rücken – vor allem hätte ich nicht erwartet, dass das wirklich so schwer sein würde. Wir fahren ins Büro. Dort hinterlasse ich den Rucksack bei Erick. Er soll zum Zeit der Geldübergabe mit dem Geld dazu stoßen. Mit dieser schieren Menge an Geld möchte ich nur so wenig wie möglich außerhalb geschützter Räumlichkeiten unterwegs sein…
  • Es ist ca. 13:30 Uhr. Zurück zu Nissan. Das Auto ist fertig. Technisch in gutem Zustand, alles ok. Nur soll ich so schnell wie möglich einen Kundendienst machen lassen, da aus den – japanischen – Papieren für den Nichtjapaner nicht ersichtlich ist, wann der letzte Service gemacht wurde. Insbesondere das stufenlose Automatikgetriebe sei sehr empfindlich und sollte unbedingt frisches Öl bekommen. Ich lasse mir ein Angebot für den kompletten Service machen. Über 550 Euro! So viel zum Thema Ersatzteilverfügbarkeit – und preise. Allein die Zündkerzen sollen ca. 60 Euro pro Stück (!) kosten, und das nach bereits gewährtem Rabatt. Benötigt werden vier Stück. Ich versichere, darauf zurück zu kommen. Das Beste: Die Untersuchung ist kostenlos! Ich bin begeistert. Offenbar hofft man auf einen neuen guten Kunden.
  • Überprüfung bei Interpol. Wir fahren zur Zentrale von Interpol am anderen Ende der Stadt. Dort passieren wir das Tor, das von Wächtern mit Maschinenpistolen bewacht wird. Wir sind nun im wahrscheinlich sichersten Ort in ganz Malawi. Mcloud scheint hier fast jeden zu kennen. Wir gehen in ein Büro. Unterwegs scherze ich kurz mit ein paar der Polizisten, denen lässig die Maschinenpistole an der Schulter baumelt, nachdem wir den Metalldetektor ohne Auffälligkeiten passiert haben. Zwei freundliche Damen, die auf Mclouds Bestechu… äh Freundesliste stehen, kommen nach einer Weile aus dem Gebäude; wir schlendern durch die heiße Mittagssonne zu meinem Fahrzeug. Dort wird nun anhand des Vergleichs der Fahrgestell- und Motornummer am Fahrzeug und in den Papieren überprüft, ob das Fahrzeug nicht gestohlen ist. „Kann ja gar nicht sein, Holger, mach dir keine Gedanken, Autos aus Südafrika sind oft ‚hot‘, aber nicht die aus Japan, wie soll das auch gehen, wenn die noch nie hier angemeldet waren?! Soll die jemand vom Schiff herunterstehlen?“. Ok, verstanden. Wir gehen auf Nummer sicher. Alles scheint soweit in Ordnung zu sein. Allerdings befindet sich ein Zahlendreher der Motornummer in den Papieren. Die Papiere werden offiziell korrigiert. Das Auto ist sauber. Yess! Dem eigentlichen Kauf steht nichts mehr im Wege!
  • „Schaffen wir das heute alles noch?“ – „Ja, wir schaffen das! … Für den Fall, dass wir heute nicht mehr alles schaffen, machen wir es morgen früh, kein Problem!“. Ich bin genervt…
  • Nächste Station: Zurück zum Road Traffic. Da das Auto in Malawi noch nie registriert war, muss zunächst auf den bisherigen Eigentümer, Mcloud, das sogenannte Blue Book ausgestellt werden – entspricht nach meinem Verständnis in etwa dem deutschen Fahrzeugbrief. Der Prozess ähnelt dem bei der Beantragung der TRC. Immer wieder komme ich mir vor wie bei Asterix und Obelix erobern Rom in dem Behördenturm… Ich soll Mcloud nun Geld geben, um die nächsten Schritte für mich zu erledigen. Zum einen ist es die offizielle Gebühr für die jeweiligen Schritte zum Erhalt der Dokumente. Zum anderen für „pushing papers“. Ich will keine Korruption unterstützen, sage ich. Ok, dann dauert es 4 Wochen. Die Anträge werden dann ganz unten unter den letzten Stapel geschoben und ich habe einige der Stapel dort liegen gesehen. Ich erkenne, dass ich an einem für mich persönlich nicht ganz unwichtigen Punkt angekommen bin. „Mach, was notwendig ist!“ sage ich schließlich zu Mcloud. Ich würde mir darüber später noch Gedanken machen, vielleicht gibt es dazu noch einen eigenen Blogeintrag. Mcloud zieht los. Alles läuft soweit nach Plan, wir bekommen das Übergangs-Blue-Book.
  • Es ist spät, ca. 16:45  Uhr. Ich soll mich schon mal beim Bankschalter anstellen, während George sich für die Kennzeichenregistrierung anstellt und sich Mcloud um die Umschreibung des Übergangs-Blue-Books auf meinen Namen „kümmert“. Ich betrete also wieder die Minibank. Sie ist gut gefüllt. Und das kurz vor Geschäftsschluss. Glücklicherweise ist die Logik hier in Malawi im Allgemeinen: Wer es schafft, vor Geschäftsschluss in einen Laden, eine Behörde, eine Bank, etc. zu gelangen, ist quasi safe und wird noch drankommen, egal, wie lang die Schlange ist. Ich stehe also in diesem kleinen Kabuff und warte – als Platzhalter sozusagen, denn wirklich was tun kann ich nicht. Die Putzfrau ist schon da und schließt die Tür ab – gegen den physischen Widerstand der draußen Wartenden. Hinter den zwei Schaltern mit Glasscheiben sitzen noch Bankmitarbeiterinnen und arbeiten anstandslos die Kunden ab, die im Raum sind. Der Raum leert sich. Ich stehe hinter dem vergitterten Fenster und schaue hinaus. Draußen immer noch etliche Antragsteller, die gern noch rein gekommen wären. Der eine und andere schafft es, die Putzfrau erfolgreich zu beschwatzen, sodass diese akzeptiert, dass ihr von draußen Formulare und Geld durch das Gitter gereicht werden. Sie reicht sie an die Damen am Schalter weiter. Für jeden, der raus will, wird die Tür kurz auf-, danach direkt wieder abgesperrt. Ich bin schließlich der letzte und einzige, komme mir ein bisschen wie im Gefängnis vor. Ich rufe George an, erreiche ihn nicht. Es ist heiß und stickig. Irgendwann ist es dann schließlich 5. Die Putzfrau wischt den Boden und bittet mich, abwechselnd auf die eine, dann auf die andere Seite des winzigen Raumes zu stehen, damit sie die jeweils andere Seite wischen kann. Ich frage mich, wie lange ich noch hier sein dürfte. George kommt endlich angerannt und fragt mich durch das offene vergitterte Fenster hindurch, welches Kennzeichen ich alternativ haben möchte – LL für Lilongwe sei nicht mehr verfügbar, alle Kombinationen aufgebraucht. Ich habe keine Ahnung. Irgendwas mit HG wär cool, oder was mit S wie Stuttgart. Er fragt, ob DA für Dowa ok sei. Ich bin ziemlich kaputt und jeglicher möglicherweise perfektionismusgetriebene Widerspruch ist ob des geringen Sauerstoffgehalts in dem Kabuff erstickt. Ok, DA! George rennt wieder weg. Ich bleibe hinter Gittern. Ich muss jetzt gehen, sagt mir die Putzfrau. Ich bitte um letzten Aufschub. George kommt nach kurzer Zeit zurück mit dem Beleg zur Zahlungsaufforderung. Die Dame hinter dem Glas nimmt mein Geld noch freundlich an, ich bekomme den Beleg! Damit kann schlussendlich das Blue-Book auf meinen Namen ausgestellt werden und wir können die Kennzeichen kaufen.
  • Die Kennzeichen bekommen wir in einem kleinen Laden für Autoersatzteile nebenan. Auf dem Weg dorthin sage ich George dass ich mich unglaublich ärgere. Am meisten ärgere ich mich, dass ich mich so ärgere… DA 7621, das ist mein neues Kennzeichen. Kann ich daraus irgendeine sinnvolle Bedeutung für mich ableiten? Nein. Und es ist mir auch egal. Immer noch gefühlt unter Hochdruck – auch dieser Laden ist kurz vor dem Schließen – wähle ich die passende Kennzeichengröße aus, dazu einen passenden Halter. Die Halter werden an mein zukünftiges, auf dem Papier jetzt schon MEIN, Auto geschraubt. Ich werde dem deutschen Stereotyp mal wieder gerecht und achte penibel darauf, dass die Jungs das Teil in der richtigen Höhe und gerade anschrauben und dabei mein neues Auto nicht verkratzen. Die Kennzeichen werden anschließend an die Halter genietet. Das passt alles. Nebenbei verkauft mir ein Straßendienstleister die Politur meiner Scheinwerfer. Zuerst wimmele ich ihn entschieden ab und untersage ihm, die Wirksamkeit seines Wundermittels – irgendeiner Paste – an meinem Scheinwerfer zu demonstrieren. Irgendwann gebe ich nach – er wirkt sehr von seinem Produkt und seiner Dienstleistung überzeugt. Das Ergebnis ist erstaunlich gut und soll mehrere Monate halten. Ich glaube es nicht so recht, aber für den Preis von 2.500 Kwacha ist es mir egal. Die Nummernschilder sind dran. Die Scheinwerfer sehen besser aus als zuvor.
  • Nächster und letzter Schritt für heute: Die Geldübergabe. Wir fahren zu mir nach Hause in die Wohnung. Eigentlich wollten wir uns an einem neutralen Ort treffen. Wir haben keinen Nerv mehr, uns für einen guten zu entscheiden. Ich rufe Erick an und frage ihn, ob das aus seiner Sicht sicherheitstechnisch ok sei. Es ist ok. Wir treffen uns bei mir zu Hause. Erick bringt den Drucker vom Büro mit – außerdem meinen Rucksack mit dem Geld. Ich drucke den Kaufvertrag, den ich in den Tagen zuvor vorbereitet hatte, in zweifacher Ausfertigung aus. Erick fungiert als Zeuge des Käufers (das bin ich), George als Zeuge des Verkäufers, Mcloud. Das mit den Zeugen ist hier so üblich. Ich lasse mir die Ausweisdokumente aller Beteiligten geben. Bei der Erfassung der Daten von Mcloud stelle ich verwundert fest, dass Mcloud gar nicht Mcloud heitßt sondern Augustine. Oh Mann! Er ist der Kumpel (oder Cousin? Ich weiß es nicht mehr) von Mcloud. Mcloud ist für sein Studium in Australien. Augustine hat einen Brief von Mcloud und sonstige Dokumente dabei, die die Rechtmäßigkeit der ganzen Aktion unterstreichen sollen. „Vielleicht gibt es gar keinen Mcloud oder Mcloud wurde von Augustine umgebracht und das Auto ist gestohlen!“, spinne ich. Nein, alles gut, wir waren ja bei Interpol, die Dokumente sind in Ordnung und Augustines Geschichte erscheint glaubhaft. Ok, sei’s drum, denke ich mir, wir ziehen das jetzt durch. Wir alle vier unterschreiben den Vertrag zweimal. Feierlich überreiche ich Mc… äh Augustine den Stapel mit Geld. Wir schießen ein Foto. Ich prahle damit, dass dieser Betrag in Deutschland mit weniger als 20 Scheinchen dargestellt werden könnte. Alles verläuft reibungslos, wir werden von Augustine alias Mcloud nicht ausgeraubt, George ist auch kein heimlicher Komplize… 😉
  • Das Auto steht auf dem Hof, direkt vor meiner Unterkunft. Es gehört mir. Ich bin glücklich – dass es geschafft ist. Ich bin ein bisschen wehmütig – weil es kein Mercedes, also Toyota ist. Es ist ok. Ich habe viel Auto fürs Geld bekommen. Das Kapitel Auto ist abgeschlossen. Yeah! Ach nein, Moment, ein paar Formalitäten fehlen ja noch – Die Überprüfung durch den „TÜV“ sowie die Kfz-Versicherung stehen noch auf unserer To-Do-Liste – aufgespart für den nächsten Morgen!

Dienstag, 27. März

  • Habe ich gesagt, dass George zuverlässig ist? 😉 Ich treffe ihn ca. eine Stunde später als am Vorabend ausgemacht – das heißt, er kommt zu spät… Wir fahren – das erste Mal mit meinem neuen Auto – zum TÜV. Ganz wohl ist mir bei der Fahrt nicht, denn das Fahrzeug ist noch nicht versichert und zum ersten Mal läuft alles auf meine Verantwortung, denn ICH fahre nun schließlich ja MEIN Auto… Wie die TÜV-Stelle hier offiziell wirklich heißt, weiß ich nicht, jedenfalls benötigen wir das Certificate of Fitness (COF), also die Bescheinigung der technischen Straßentauglichkeit. Hierbei läuft alles problemlos, das Auto wird kurz gecheckt. Bremsen, Rüttelplatte, Beleuchtung, etc. Alles ok. Ich muss aber Reflektoretiketten anbringen – vorne weiß, hinten rot. „Warum?“, frage ich, da sind doch schon herstellerseitig „richtige“ Reflektoren angebracht, hinten zumindest. Egal, Vorschrift, sonst bekomme ich das COF nicht. Ganz vorsichtig, um sie später wieder entfernen zu können, klebe ich die Aufkleber an. Hässlich. Egal.
  • Letzter Schritt: Die Versicherung. Nicht weit entfernt fahren wir zum Versicherer NICO. Das ist die beste, das wurde mir von mehreren Seiten durch die unabhängigen Befragungen meiner einheimischen Bekannten bestätigt. Die „beste“ heißt hier unter anderem, dass im Schadensfall angeblich anstandslos und „schnell“ gezahlt wird. Wichtig für mich, da ich das Land ja irgendwann wieder verlassen würde. Der Kunde nennt hier der Versicherung seiner Wahl den geschätzten Marktwert des zu versichernden Fahrzeugs. Darauf basierend wird dann die Prämie berechnet. Im Fall eines Totalschadens wird dann die versicherte Summe ausbezahlt. So die Theorie. Ich hoffe, dass ich die Praxis nicht erfahren muss. Wobei, das wäre zumindest finanziell wahrscheinlich die beste Option, das Auto am Ende meiner Zeit hier wieder verlustfrei loszuwerden… Der freundliche aber nicht so ganz kompetent wirkende Berater bei NICO rechnet mir aus, was mich die Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung kosten würde. Es sind ca. 8 % der Versicherungssumme als Prämie für ein Jahr. Die Verträge werden vorbereitet, Fotos vom Auto gemacht. Es ist inzwischen Mittag. Die Dame am Zahlungsschalter hat sich in die Mittagspause verabschiedet. Wir Essen etwas. Nach der Mittagspause bezahle ich die Prämie – bar versteht sich. Ich bekomme den Versicherungsschein inklusive der Plakette, die an der Windschutzscheibe anzubringen ist, außerdem weitere Klarsichtaufkleber dafür. Damit kann ich auch das COF gut sichtbar an der Scheibe befestigen.
  • Es ist vollbracht. Jetzt aber wirklich. 🙂

George ist inzwischen einer meiner ersten Freunde hier geworden – im Nachhinein für mich der einzige „Sinn“, den der Unfall meines fast schon gekauften Traumautos gehabt haben kann, ohne die Erwartung ans Leben zu haben, dass am Ende auch bei solchen eigentlich Nichtigkeiten immer alles einen Sinn ergeben muss…

Herbstliche Grüße aus Malawi, euer Holger

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Richtige Arbeit! https://welcometomalawi.de/richtige-arbeit https://welcometomalawi.de/richtige-arbeit#comments Fri, 30 Mar 2018 18:34:37 +0000 https://welcometomalawi.de/?p=316 Liebe Leser!

Im vorletzten Beitrag habe ich euch beschrieben, dass – und vor allem wie – wir für eines der Projekte in den Norden, nach Mzuzu, gefahren sind. Die versprochene Fortsetzung – was wir dort eigentlich gemacht haben – möchte ich heute nachliefern. Die letzten Tage war mal wieder – wie eigentlich die ganze Zeit bisher hier – ziemlich viel los, deswegen hat es ein Weilchen gedauert.

NACRO, die Hilfsorganisation, die ich hier unterstütze, ist in verschiedenen Bereichen tätig, die pauschal unter dem oft verwendeten Begriff der Entwicklungshilfe zusammengefasst werden können. Aber was heißt das denn konkret? Diese Frage stellt man sich wahrscheinlich spätestens dann, wenn man beginnt, in diesem Feld tätig zu werden. Aber auch schon zuvor, in der Überlegungs- und Vorbereitungsphase habt ihr mich des öfteren gefragt, was ich denn dann genau in Malawi machen würde. Wir haben in der weit entfernten Welt des entwickelten Europas zwar eine grobe Vorstellung davon, was da wohl so alles gemacht wird, konkret ist es aber eben gar nicht so klar und einfach beantwortet, wie das Ganze denn in Realität und Praxis, aus der Nähe anstatt aus der Ferne, wirklich aussieht. So ging es mir auch, sodass es mir anfangs gar nicht so leicht fiel, die Frage nach meinen genauen Aufgaben hier zu beantworten. Ich habe mich auf dieses Experiment schlussendlich einfach einmal eingelassen und habe darauf vertraut, dass hier sinnvolle Arbeit getan wird und mich dazu entschieden, diese für eine bestimmte Zeit zu versuchen zu unterstützen und eben am eigenen Leib zu erfahren, was das bedeutet.

Die Ziele, die sich NACRO auf die blau-weiße Fahne geschrieben hat, sind in der Verfassung der Organisation klar formuliert. Das über allem stehende Ziel ist die nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände der Menschen in den betreuten Ländern, Sambia, Malawi und Simbabwe. Konkreter bedeutet das, dass NACRO versucht, einen Beitrag dafür zu leisten, in den folgenden Bereichen eine Verbesserung zu erreichen, die den betroffenen Menschen konkret und nachhaltig zugute kommt:

  • Bildung
  • Gesundheit
  • Sauberes Trinkwasser
  • Sanitätseinrichtungen
  • Bildung im Bereich Hygiene
  • Nahrungssicherung
  • Einkommenssicherung
  • Katastrophenhilfe

Übergeordnetes Ziel und quasi Grundvoraussetzung, um an der Erreichung der genannten Ziele überhaupt arbeiten zu können, ist die Sicherstellung ausreichender Ressourcen und der organisatorischen Handlungsfähigkeit – auf Deutsch also Finanzmittel und – großteils freiwillige / ehrenamtliche – Mitarbeiter.

Die Methoden, die NACRO anwendet, um die gesetzten Ziele zu erreichen, sind:

  • Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft durch Workshops unter Einbeziehung der Bevölkerung
  • Nachhaltige Landwirtschaft
  • Schaffung von Erntemöglichkeiten während der Trockenzeit (bspw. durch Bewässerungssysteme)
  • Aufbau und Nutzung lokaler Strukturen (bspw. der Kirche)
  • Partnerschaften und Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen
  • Notfallmaßnahmen nach Katastrophen
  • Förderung und Unterstützung von Initiativen aus der Gesellschaft heraus
  • Kontakt und Austausch mit Volksvertretern aus Politik und Verwaltung

Bei alledem berücksichtigt NACRO die Werte und Prinzipien der verschiedenen lokalen Gemeinschaften sowie deren Bedürfnisse und Nöte, bevor Initiativen ergriffen und schließlich Entwicklungshilfeprojekte gestartet werden.

So viel zur Theorie – nun ein Beispiel aus der Praxis, bei dem ich vor Kurzem beteiligt war. In Mzuzu läuft aktuell ein Projekt, bei dem insgesamt zehn Häuser, bzw. kleine Häuschen, um es besser in deutsche Verhältnisse einordnen zu können, für sehr arme Menschen gebaut werden. Bei dem aktuellen Projekteinsatz in Mzuzu ging es konkret um vier dieser Häuser, die bereits kurz vor der Fertigstellung stehen. Ziel und Aufgabe unseres Einsatzes in Mzuzu war es, die Baustellen mit weiteren Baumaterialien zu versorgen, damit die Bauarbeiten weitergehen und schnellstmöglich abgeschlossen werden können.

„Wir dachten, du schaffst da richtig was!?“, habe ich in den letzten Wochen schon so manches Mal gehört, wenn ich Bilder von mir im Hemd im Büro nach Hause geschickt hatte. Ich muss zugeben, auch ich selbst dachte ganz am Anfang, dass ich hier her kommen würde, um mit Schaufel und in Gummistiefeln im Dreck stehend Löcher für Brunnen ausgraben würde. Als ich mich dann mit der Thematik etwas beschäftigt und mit den Kollegen von NAK-karitativ aus Dortmund ausgiebig gesprochen hatte, wurde mir dann aber recht schnell klar, dass das schlichtweg nicht zielführend wäre. Den Menschen hier im Land ist viel „sinnvoller“ und „nachhaltiger“ geholfen, um diese Worte nochmals zu bemühen, wenn sie in den Prozess der Entwicklungshilfe direkt und aktiv miteinbezogen werden. So profitieren in diesem konkreten Fall durch den Bau der Häuser einerseits natürlich die Menschen, die später in diesen Häusern wohnen werden. Andererseits wird aber auch ein zusätzlicher Beitrag für die Gesellschaft dadurch geleistet, dass die Häuser durch einheimische Arbeiter gebaut werden. Nicht nur, dass diese viel besser wissen, wie hier eben Häuser gebaut werden – und das ist ganz anders als bei uns, kann ich euch sagen. Sie haben dadurch außerdem Beschäftigung – die einheimische Wirtschaft wird also ein kleines bisschen angekurbelt. Die Organisation dagegen initiiert, plant, koordiniert und finanziert die Projekte schließlich und leistet dadurch einen Beitrag, der von der involvierten Bevölkerung weniger gut geleistet werden könnte.

Am frühen Morgen des ersten Arbeitstags in Mzuzu, einem Donnerstag, trafen wir uns zunächst mit Andrew, Harvey und Charles, um die konkreten Schritte für die nächsten Tage zu besprechen. Andrew ist ein Freiwilliger aus Mzuzu, der die Organisation in der Projektkoordination vor Ort unterstützt. Harvey und Charles sind lokale Kleinunternehmer, die von NACRO beauftragt wurden, um die Häuser in ihrer konkreten Ausführung und Beschaffenheit zu planen sowie die Bauarbeiten auf den Baustellen bis zur Fertigstellung zu koordinieren.
Eine Übersicht der benötigten Baumaterialien inkl. aller dafür veranschlagten Kosten lagen der Organisation bereits vor dem Baubeginn vor. Die Gesamtkosten für ein komplettes Haus werden laut Plan ca. 3.000 Euro betragen. Die Maurerarbeiten der Häuser waren bereits weit fortgeschritten, jedoch noch nicht abgeschlossen. Als nächste Schritte sollten die Dachkonstruktionen errichtet, die Dächer gedeckt, Fenster und Türen eingesetzt werden. Wir benötigten also Ziegelsteine, Bauholz, Wellblech, Zement, Sand, kiloweise Nägel. Die morgendliche Planungssitzung fand im Kirchenschiff des Kirchengebäudes in Mzuzu statt. Hier haben Anthony, Andrew, Harvey und Charles eine sinnvolle Reihenfolge für die einzelnen Besorgungen festgelegt, während ich zunächst versuchte, allem zu folgen. Anfangs vorbildlich bemüht, für mich, den Mzungu, verständlich in Englisch zu sprechen, rutschten die Gespräche dann doch immer wieder in – nein, nicht Chichewa, sondern in Tumbuka ab, die im Norden hauptsächlich gesprochene Sprache.

Kleiner Exkurs „Sprache“: Chichewa wird vom Großteil der Bevölkerung in Malawi gesprochen, daneben Englisch. Gerade die ländliche Bevölkerung spricht aber häufig nur ihre „eigene“ Sprache, im Norden eben Tumbuka. Beide genannten Sprachen, Chichewa und Tumbuka, sind Bantusprachen. Anthony bspw. stammt ursprünglich aus dem Norden, sodass Tumbuka seine eigentliche Muttersprache ist. Da seine Ehefrau aus dem Süden stammt, und dort hauptsächlich Chinyanya gesprochen wird, unterhalten sich die beiden zu Hause in Chichewa oder Englisch. Die Vorsilbe „Chi“ bedeutet übrigens „Sprache der…“. Chichewa bedeutet also Sprache der Chewa, ein Bantu-Volk. Genauso müsste es dann ja eigentlich auch Chitumbuka heißen – heißt es auch, es wird hier aber meist nur Tumbuka ohne Chi verwendet…

Um die Kosten für die Baumaterialien, die wir in den nächsten Tagen besorgen wollten, bestreiten zu können, brauchten wir geeignete Zahlungsmittel. Diese sind hier in Malawi für solche Aktivitäten entweder Bargeld oder – unter Umständen – Schecks. Anthony hatte bereits Schecks für diejenigen Geschäftspartner im Büro in Lilongwe vorbereitet, die Schecks als Zahlungsmittel akzeptieren. Für einige der anstehenden Beschaffungen brauchten wir jedoch Bargeld. Dafür suchten wir die Filiale unserer Hausbank, die FDH Bank, auf, um das entsprechende Kleingeld abzuholen. Ein paar freundliche Gespräche mit den Bankangestellten, die Anthony von der Zeit kannte, als das Büro der Organisation noch in Mzuzu war, und wir erhielten ein paar gebundene Päckchen aus 2.000-Kwacha-Scheinen. Insgesamt waren es ca. 4.000 Euro – die den mitgebrachten Rucksack zur Hälfte füllten.

Zur Beschaffung des Bauholzes fuhren wir zum lokalen Holzhandel. Natürlich hatte ich etwas wie das Bauhaus in Untertürkheim erwartet. 🙂 „Wie konnte ich nur!?“, schoss es mir dann gleich durch den Kopf, als wir am Holzmarkt von Mzuzu ankamen. Dieser befindet sich am Rand der Stadt und ist an den lokalen Markt angegliedert, wo auch Obst und Gemüse, (lebende) Hühner, Autoteile und auch sonst eben alles Mögliche angeboten werden. Während ich mich als Fahrer betätigen durfte und auf unseren himmelblauen Toyota Hilux aufpasste, gingen die Kollegen los, um das Holz klar zu machen.
Der nächste Schritt war die Organisation geeigneter Transporteure, also Lkws und Arbeiter. Beides findet man auf dem Holzmarkt recht einfach. Es handelt sich um Tagelöhner, die auf Arbeit warten. Dabei ist der Begriff ohne Wertung, beschreibt das Modell eben am treffendsten. Das benötigte Holz wurde auf zwei kleinere blaue Lkws aufgeladen. Bevor das Holz auf der Baustelle verwendet werden konnte, musste es zunächst noch zugerichtet werden. Dafür fuhren wir wenige Meter weiter ins lokale Sägewerk von Mzuzu – ein kleiner Verschlag direkt an der Straße, wo teilweise barfüßige junge Kerle an einer mit Benzinmotor betriebenen Kreissäge arbeiteten und schließlich unsere Bretter auf die richtige Breite zusägten. Bereits aus einigen Metern Entfernung war der Lärm kaum auszuhalten. Die Jungs standen dagegen direkt an der Säge – ohne jegliche persönliche Schutzausrüstung wie Gehörschutz oder Stahlkappenschuhe – barfuß eben.
Mir schoss der Gedanke durch den Kopf, ob es für uns als Organisation, die versucht, die Dinge „richtig“ und „gut“ zu machen, denn nicht angebracht wäre, nur die Dienste von Betrieben in Anspruch zu nehmen, die entsprechend auf Arbeitssicherheit achten. Am Ende des Projekteinsatzes in Mzuzu wusste ich, dass dies eben ein sehr europäischer oder deutscher Gedanke war und dass wir schlussendlich einfach keine Häuser bauen würden, wenn wir uns dies selbst als Bedingung vorgeben würden. Auch aus Deutschland finanzierte Entwicklungshilfe muss sich schlussendlich an die landestypischen Gegebenheiten anpassen und die Entwicklung eines noch nicht so weit entwickelten Landes kann auch nur Schritt für Schritt erfolgen.
Nachdem die Balken und Bretter auf die richtigen Maße zugesägt waren, sollten einige Bretter noch gehobelt werden. Da es sich um eine elektrisch betriebene Hobelmaschine handelte, es gerade aber keinen Strom gab (ich spreche bewusst nicht von Stromausfall, dazu in einem der kommenden Beiträge mehr), musste dies jedoch verschoben werden. So fuhren wir mit dem bereits einsatzfähigen Bauholz zu den vier Baustellen, um das Material abzuliefern.

Die Häuser, die gebaut werden, befinden sich in kleinen abgelegenen Dörfchen um Mzuzu herum. Die Wege dorthin entsprechen ungefähr genau dem, was wir uns unter afrikanischen Straßenverhältnissen vorstellen – rote Erdwege, teilweise extrem zerklüftet – richtige Offroadstrecken! Während unser Toyota Pickup prädestiniert für solche Strecken scheint, war mir zuerst völlig schleierhaft, wie es möglich sein sollte, mit den angemieteten Lkws „hier“ durchzukommen. Erstaunlicherweise funktionierte das aber einigermaßen gut. Die Einheimischen haben ihre Erfahrung und daraus eine teilweise beeindruckende, teilweise erschreckende Gelassenheit. Wo ich manches Mal dachte, dass wir gleich mit der Seitenwand unseres Fahrzeugs die Lehmwand der Böschung streifen würden, bretterten die Lkws vor uns durch, die Ladefläche voll mit Holz und Arbeitern, die den größten Spaß zu haben schienen.

In den Dörfern nach und nach angekommen, bekam ich einen Eindruck von den Häusern und dem aktuellen Baufortschritt und lernte außerdem die zukünftigen Besitzerinnen der Häuser kennen. Ah, er hat die weibliche Wortform verwendet. 🙂 Es handelt sich ausschließlich um ältere Frauen, die in die Häuser einziehen werden, sobald diese in einigen Wochen fertiggestellt sein werden.
Insgesamt fiel mir auf, dass wir in den Dörfern hauptsächlich Frauen und viele Kinder antrafen – eine Art Déjà-vu, weil ich damals in Südafrika einmal Ähnliches erlebt hatte. Immer, wenn mir etwas auffällig erschien, sprach ich Anthony später in einem ruhigen Moment oder eben zwischendurch an. Seine Erklärung war, in meinen Worten ausgedrückt, dass einige der Männer in den Dörfern nicht so viel von Sesshaftigkeit und Beständigkeit hielten. Die Babies / Kleinkinder, die die teilweise sehr jungen Frauen auf den Rücken gebunden hatten, seien häufig das Ergebnis flüchtiger Bekanntschaften. Manches Mal versuchten die Mädchen auch, sich dadurch etwas Geld zu verdienen, um die Familie zu unterstützen.
Die begünstigten Frauen zeigten sich alle äußerst dankbar und freudig darüber, dass sie bald deutliche verbesserte Wohnverhältnisse haben würden. Eine der Frauen bspw. lebt heute in einem kleinen Bretterverschlag, der größtenteils mit Plastiktüten verkleidet ist. Eine andere Frau zeigte uns ihre Dankbarkeit, indem sie sich vor uns auf den Boden warf, was ich eher als unangenehm empfand. Anthony erklärte mir, dass dies schlichtweg die Art und Weise sei, wie in der dortigen Kultur Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht wird. In einer anderen Region ist es wohl üblich, dass sich die Menschen auf dem Boden rollen, um sich zu bedanken. Ich musste lachen. 🙂
Bei der Auswahl der Begünstigten – wer bekommt ein Haus und wer nicht – werden einerseits die dörflichen, andererseits, im Fall, dass es sich bei den potentiell Begünstigten um Mitglieder der Kirche handelt, die kirchlichen Strukturen genutzt, um herauszufinden, wer die Hilfe am nötigsten hat. Auch heute noch spielen die Dorfhäuptlinge, die sogenannten Mfumus, eine wichtige gesellschaftliche Rolle in Malawi. Sie werden in alle Projekte miteinbezogen, die in dem entsprechenden Dorf durchgeführt werden sollen. Von ihrer Zustimmung hängt es im Endeffekt mit ab, ob ein Projekt erfolgreich umgesetzt werden kann oder nicht. Mfumu wird man durch Geburt, eine bestimmte Familie stellt seit Generationen den Mfumu – daran kann nichts geändert werden. Die Mfumus gehen im Alltag häufig normalen Berufen nach, sind auch gewöhnlich gekleidet, aber haben eben die Zusatzfunktion des Dorfkönigs inne.

Nachdem das Holz abgeladen war, sollte es mit den weiteren Baumaterialien weitergehen. Dazu besuchten wir unter anderem einen Hardware Store – eine Art Baumarkt. Aber eben wieder nicht das, was wir von zu Hause her kennen oder bspw. aus den USA, wo Baumärkte auch Hardware Store heißen. Es handelt sich um einen recht kleinen Raum, der dafür bis zur Decke mit den verschiedensten Produkten vollgestopft ist, die man im Baumarkt eben so findet. Erstaunlich, was dort alles verfügbar ist. Die freundlichen Mitarbeiter haben hier spezielle Nägel für uns abgewogen, von denen wir mehrere Kilos pro Haus benötigten. Außerdem stimmten die Kollegen die Beschaffung für die Zimmertüren für das Hausinnere ab.

Ziegelsteine waren der nächste Punkt auf unserer Einkaufsliste – 21.000 Stück! Dafür benötigten wir größere Lkws. Wieder hatte ich zunächst einen deutschen Baustoffhandel im Sinn – ich konnte mir einfach nicht vorstellen, was ich in den nächsten Stunden erleben sollte. Zunächst fuhren wir zurück zum Holzmarkt, wo wie gesagt auch Transporter inkl. Besatzung zu finden waren. Harvey organisierte in kürzester Zeit neue Lkws – dieses Mal ein weißer Hino und ein weißer alter Mercedes, der so ähnlich aussah wie ein Vario mit Pritsche, es war aber, glaub ich, ein anderes Modell. Auf der Ladefläche jedes der beiden Lkws standen ca. sechs bis acht Arbeiter, als wir in Richtung „Ziegelsteinhandel“ los fuhren. Tja, dieser musste aber zuerst einmal ausfindig gemacht werden. Wie läuft das in Malawi ab? Wenn man aufmerksam durch die Gegend fährt, fällt einem auf, dass immer wieder Ziegelsteine aufgestapelt am Straßenrand stehen. Dort hält man dann an und spricht mit den Menschen, die sich in der Nähe befinden. Eine kurze Verhandlung auf Tumbuka, die der deutsche Mzungu natürlich nicht verstand, und schon bewegte sich die Kolonne aus zweimal Lkw und einmal Pickup weiter, um wenig später abzubiegen. Die nächste abenteuerliche Fahrt mitten durch den malawischen Busch begann, führe über ebenso schwierig zu befahrende Wege an Tabakpflanzenfeldern vorbei und endete dann irgendwann scheinbar mitten im Nirgendwo. Wir hielten an, um den restlichen Weg zu Fuß zurückzulegen, die Lkws waren noch ein paar Meter weiter gefahren. Schließlich stießen wir auf einen großen Berg aus feinsäuberlich aufgeschichteten Ziegelsteinen – mitten im Busch. Die Qualität der Ziegelsteine wurde geprüft – und für nicht ausreichend befunden. Aber keine Sorge, ungefähr 50 Meter weiter steht schon der nächste Haufen. Die Qualität erschien beim prüfenden Aneinanderklopfen besser. Es konnte losgehen! Unsere angeheuerten Arbeiter legten los und fingen damit an, den Ziegelsteinberg auf der einen Seite ab- auf der anderen Seite – nämlich auf der Ladefläche der Lkws – aufzubauen. Dabei packten die Arbeiter gebückt bis zu sechs Ziegelsteine gleichzeitig und schwangen diese durch die Luft in Richtung des Kollegen, der auf der Ladefläche stand. Durch die Trägheit blieben die Steine dabei weitestgehend beieinander und wurden als zusammenhängendes Paket von dem Kollege auf dem Lkw gefangen und sogleich einsortiert. Wie Tetris, nur, dass alle Steine die gleiche Form hatten. Das Ganze ging wirklich ruck-zuck und es war wieder einmal beeindruckend, dies zu verfolgen. Erschreckend wiederum erneut, dass auch die Arbeiter teilweise barfuß inmitten der Ziegelsteine standen, wenn nicht barfuß, dann in Flip-Flops oder sonstigem – aus Sicht deutscher Arbeitssicherheit – ungeeignetem Schuhwerk.

Unsere Aufgabe bei der ganzen Aktion war es, sicherzustellen, dass am Ende die richtige Anzahl an Ziegelsteinen aufgeladen wurde und den Eigentümer derselben entsprechend zu bezahlen. Ein Ziegelstein kostete zehn bis zwölf Kwacha, das entspricht umgerechnet ca. einem Eurocent! Ich nutzte die Zeit, die wir hatten, während wir darauf warteten, bis die Lkws beladen waren – dies dauerte ca. eine halbe Stunde – und fragte Anthony, warum bitte um alles in der Welt mitten im Busch haufenweise Ziegelsteine lagerten. Die Erklärung: Die Ziegelsteine werden von den Bewohnern aus der Umgebung hergestellt, um sich ein Einkommen zu erwirtschaften. Dazu wird die Erde aus etwas tieferen Schichten aus dem Boden geholt, deren Konsistenz sich am besten für die Herstellung der Ziegelsteine eignet. Die Steine werden zunächst geformt, anschließend gebrannt und schließlich zur Lagerung im Feld gestapelt. Die Herstellung dieser Art von Ziegeln wird von den Behörden inzwischen nicht mehr so gern gesehen, weil für den Brennvorgang große Mengen an Brennholz benötigt werden, das von den Herstellern eben auch aus der Umgebung herangeschafft wird. Langfristig soll wohl auf zementbasierende Steine umgestellt werden, diese kosten jedoch ein Vielfaches der konventionellen Steine aus Lehm. Die Lagerfläche mitten im Busch ist wohl eine Kombination daraus, dass die Steine eben dort in der näheren Umgebung herstellt werden und sie dort von niemandem gefunden werden können, der sie nicht finden soll. Plötzlich kam Unruhe im Ziegelsteinlager auf – die nachträgliche Erklärung Anthonys schlaute mich darüber auf, dass inzwischen der wahre Eigentümer der Ziegelsteine aufgetaucht war. Die Wegweiser am Straßenrand, die sich als die Eigentümer ausgegeben hatten, waren wohl gar nicht die Eigentümer, sondern versuchten, die Steine eines anderen an uns zu verkaufen. Ich fragte Anthony, wie man denn schlussendlich sicher sein könnte, wer der wirkliche Eigentümer ist. Man kann nicht.

Bei allen Transaktionen, die wir für die Organisationen abwickeln, achten wir penibel darauf, die entsprechenden Belege zu erhalten, da am Ende jeder Cent, äh Tambala, nachgewiesen werden muss. Schließlich war unser Kollege Erick, der unter anderem für die Buchhaltung zuständig ist, in Lilongwe geblieben, weil dort gerade das externe Audit durch KPMG für den Jahresabschluss 2017 stattfand. Fast alle der Geschäftspartner, von denen wir in diesen Tagen Güter gegen Geld erhielten, hielten Quittungsbücher bereit. Es erschien mir jedoch offensichtlich, dass diese nur dann zum Einsatz kamen, wenn der jeweilige Geschäftspartner auf der Gegenseite, in diesem Fall wir, darauf bestand, einen Beleg zu bekommen. Ebenso bin ich davon überzeugt, dass manche unserer Geschäftspartner ihren Teil des Belegs, den Durchschlag, nach Abschluss des Geschäfts vergessen würden. Der Ziegelsteinhändler schließlich besaß überhaupt keinen Quittungsblock. Kurzerhand sprangen die Transporteure ein und nahmen die paar Tausend Ziegelsteine eben mit auf ihre Rechnung drauf. Formell hatten damit also die Transporteure die Ziegelsteine ohne Beleg beim Ziegelsteinhändler gekauft und sie an uns ohne weiteren Gewinnaufschlag weiter verkauft. Flexibel muss man eben sein! 🙂

Weitere Stationen während der Tage in Mzuzu waren der Schweißer, der die metallenen Fensterrahmen herstellt sowie der Schreiner, der die Haustüren baut. Beide haben ihre Werkstatt direkt im Wohnhaus oder an das Wohnhaus angegliedert. Es handelt sich um sogenannte Small Enterprises, also Kleinunternehmen. Zusammen mit den Medium Enterprises, also mittelgroßen Unternehmen stellen sie die sogenannten SMEs dar. Diese Klasse von Unternehmen und Betrieben versucht NACRO verstärkt zu unterstützen. Dabei sollen die Unternehmer befähigt werden, um sich ihren Lebensunterhalt durch ihre Geschäftstätigkeit verdienen zu können. Gleichzeitig können sie als positives Beispiel in ihrer Umgebung wirken: Wer selbst aktiv wird und etwas auf die Beine stellt, kann seinen Lebensstandard steigern. Wie die Befähigung in der Praxis im ganz Kleinen aussehen kann, konnte ich beim Schreiner erleben, als Andrew ihm dabei geholfen hat, die Quittung, die wir benötigen, so auszufüllen, dass sie den Anforderungen entspricht.

Am letzten Abend, dem Freitagabend, wollten Anthony und ich uns noch ein Feierabendbierchen zuführen. Hierzu waren wir bereits am Donnerstag tagsüber am Sunbird Mzuzu, der ersten Hoteladresse am Ort vorgefahren, wo sich Anthony bei einem der Angestellten aus dem Auto heraus erkundigte, ob am Freitag in der dem Hotel angeschlossenen Disko was los sei. Der Hotelmitarbeiter bestätigte dies – am Freitag ab 21 Uhr sollte hier der Bär steppen. Am Freitagabend machten wir uns nach dem Abendessen, das wir wie üblich in der Lodge eingenommen hatten, auf in Richtung Hotel. Dort angekommen, erkannten wir bereits auf dem Parkplatz, dass (noch?) nicht wirklich viel los zu sein schien, die laute Musik aus dem Inneren war allerdings auch draußen deutlich zu hören. Wir gingen mal rein. Neben ein paar vereinzelten männlichen Gästen mittleren Alters, die an der Bar saßen, herrschte gähnende Leere. Für ein schnelles erstes Bier ließen wir uns dennoch an der Bar nieder. Die Preise hatten es für hiesige Verhältnisse in sich. Anthony bestellte sich ein Kuche Kuche – eines der wenigen lokalen Biersorten. Ich wählte Carlsberg Green, ebenfalls in Malawi gebraut.

Kleiner Exkurs „Bier“: Bereits in der ersten Woche hatte ich die sehr überschaubare Auswahl der lokalen Biere mehr oder weniger durchprobiert. Überzeugen konnte mich keines so wirklich. Am Anfang meines Blogs habe ich euch versichert, ich würde mich mit Bewertungen zurückhalten, aber beim Bier hört der Spaß halt einfach auf. 😉 Das Deutsche Reinheitsgebot von 1516, das quasi in der ganzen Welt angewendet wird und häufig auch in Deutsch auf so mancher nicht-deutschen Bierflasche zu lesen ist, ist in Malawi offenbar unbekannt – neben den drei bei uns ausschließlich verwendeten Zutaten Wasser, Malz, Hopfen, wird dem „Bier“ in Malawi gern noch Stärke und Zucker zugesetzt. Bislang hatte ich für mich Carlsberg Green sozusagen als das geringste Übel ausgemacht – ein wirklicher Genuss ist es aber nicht. Inzwischen – ein paar Wochen später – habe ich Carlsberg Chill entdeckt. Das schmeckt zwar auch etwas … „anders“, aber zumindest hatte ich damit „danach“ bislang die geringsten Nachwirkungen. Ich habe es Anthony noch nicht gestanden, ich bin mir bewusst, dass ich da vorsichtig vorgehen muss 😉 , aber das von ihm favorisierte Kuche Kuche habe ich – Schwabe hin oder her – tatsächlich nicht ausgetrunken, sondern im Abfluss der Duka Premier Lodge versenkt… Inzwischen hab ich auch Castle Lager sowie Carling Black Label aus Südafrika entdeckt, Erinnerungen werden wach. Allerdings sind diese Sorten importiert und entsprechend teu(r)er und ich versuche sie, aus Dekadenzgründen zu vermeiden. 

Anthony und ich waren uns einig, dass wir hier nicht alt werden würden, so verließen wir das Sunbird Mzuzu nach gefühlt fünf, in Wirklichkeit wahrscheinlich nach 15 Minuten. Anthony hatte noch eine weitere Idee. Hierzu mussten wir ein paar Kilometer aus Mzuzu heraus fahren und kamen schließlich an einer anderen Bar an. Dort war nun wirklich überhaupt gar nichts los, sodass wir nicht einmal hineingingen. Ich fragte Anthony ganz verwundert, wo denn die ganzen jungen Leute in Mzuzu hin gingen am Wochenende, ich konnte es nicht glauben, dass wir an den bisher aufgesuchten Orten quasi keine Menschen antrafen. Anthony meinte dann etwas zögerlich, dass es da schon noch ein, zwei Orte gäbe, wo was los sein könnte, er sei sich aber nicht sicher, ob er mich dorthin mitnehmen könnte. Ich fasste das nicht so auf, als würde er sich mit mir schämen, oder als wäre ich an besagten Orten nicht willkommen, sondern Anthony fürchtete wohl, die Orte könnten etwas zu abgeranzt für meinen Geschmack sein. Ich bestärkte ihn, dass ich da völlig schmerzfrei sei und so fuhren wir zurück in die Stadt und waren kurzerhand später in einer stark belebten Straße, die auf beiden Seiten von Bars gesäumt war. So hatte ich mir das vorgestellt. Überall junge Leute, zwischendurch kleine Grillbuden, von wo eine Mischung aus Rauch und dem Duft von gebratenem Fleisch aufstieg. Wir gingen in eine der Bars – ich kann mich an den Name nicht mehr erinnern – und ich war begeistert. Zwischendurch waren plötzlich Musik und Licht aus und wir standen im Stockdunkeln. Wo bei uns in Deutschland wahrscheinlich jeder Panik bekommen hätte, da wir das einfach nicht gewöhnt sind, passiert dies hier eben ab und zu mal und so blieb alles ruhig. Ein paar Handytaschenlampen wurden eingeschaltet und nach wenigen Minuten waren Licht und Musik zurück – dem Generator irgendwo im Hinterhof sei Dank. An dieser Stelle endet die detaillierte Beschreibung eines im weiteren Verlauf wirklich netten Abends – das erste Mal „Weggehen“ in Malawi: bestanden.

Unglaublich intensive Tage, angefüllt von vielen, ganz neuen, teilweise wirklich krassen Eindrücken näherten sich dem Ende und am Samstagmittag machten Anthony und ich uns wieder in Richtung „zu Hause“, nach Lilongwe auf. Anthony hatte bereits kurz nach der Ankunft in Mzuzu versprochen gehabt, dass er dann erst wieder in Lilongwe fahren würde. So lag es also an mir, uns sicher zurück in die Hauptstadt zu bringen. Inzwischen Fernreise erprobt auf Malawis Straßen und weil zum Glück und im wahrsten Sinn des Wortes hellichter Tag war, stellte dies für mich kein Problem dar. 😉

Schon auf dem Hinweg nach Mzuzu bei der Anreise waren mir Verkäufer am Straßenrand aufgefallen, die – aus der Ferne des Autos betrachtet – kleine schwarze Dinger in Körben anboten. Es handelt sich um Ameisen, die man zu Hause frittiert, ein lokaler Delikatessensnack. Wir kamen nicht mehr dazu, es zu probieren, das steht also noch auf meiner Liste. Dafür hielten wir an, um für Anthony Holzkohle zu kaufen – damit auch in den Phasen des nicht verfügbaren Stroms gekocht werden könne, so Anthony. Die Holzkohle steht dabei mutterseelenallein in riesigen weißen Plastiksäcken verpackt am Straßenrand. Sobald man anhält, springen die Verkäufer aber aus dem grünen Dschungel rechts und links der Straße, um das Geschäft zu machen. Warum verstecken die sich? Die wilde Erzeugung von Grillkohle ist verboten, um die Verwertung der umliegenden Gehölze auf diese Weise einzudämmen. Die Kohle ist um Einiges günstiger als in der Stadt. Wir haben zwei Säcke eingeladen. Gut, dass wir einen Pickup dabei hatten. Auch in der Stadt sieht man immer wieder Fahrradfahrer, die solche Säcke mit Grillkohle auf dem Gepäckträger transportieren. Dabei ist auffällig, dass die Säcke den Einheimischen offenbar häufig etwas zu klein sind. Dann, oder wenn der Sack Risse oder Löcher hat, wird der fehlende Bereich einfach mit einem Geflecht aus Stöckchen und Pflanzenfasern erweitert, es wird also eine Art Netz gebastelt, sodass insgesamt mehr Kohle transportiert werden kann – „Unglaublich!“, fand ich, als ich es zum ersten Mal gesehen hatte.

Einen weiteren Zwischenstopp legten wir bei einem Gemüsemarkt am Straßenrand irgendwo zwischen Mzuzu und Lilongwe ein. Der Markt ist überregional bekannt und es ist quasi Pflicht, hier anzuhalten, wenn man auf dieser Route unterwegs ist, um sich ausreichend mit Vorräten einzudecken. Die Qualität ist gut und die Preise erheblich günstiger als in der Stadt. Kaum hatten wir angehalten, stürmten schon die verschiedenen Verkäuferinnen auf uns ein, jede wollte uns ihre Erzeugnisse verkaufen. Anthony steuerte zielstrebig auf eine bestimmte Händlerin zu, die er schon länger kennt, die ihn immer mit guter Ware versorgt hat. Wenn sie selbst nicht das gewünschte Gemüse zum Verkauf anbietet, dann agiert sie für Anthony als Agentin und besorgt gute Ware bei ihren Konkurrentinnen. Mit etlichen Plastiktüten voll mit Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen, Kohl und weiterem Gemüse verließen wir den Markt – Anthony sichtlich zufrieden über die günstig erstandenen Lebensmittel, ich vor allem mal wieder – beeindruckt.

Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich wieder wohlbehalten Lilongwe und obwohl ich zu diesem Zeitpunkt erst knapp zwei Wochen hier in Malawi war, stellte sich bei der Ankunft in Lilongwe schon ein bisschen ein Gefühl ein, nach Hause zu kommen – also vorübergehend. 😉

Nach wie vor sonnige und heiße Grüße ins echte zu Hause und nun: Frohe Ostern!

Euer Holger

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„Was machst du eigentlich in Malawi?“ https://welcometomalawi.de/was-machst-du-eigentlich-in-malawi https://welcometomalawi.de/was-machst-du-eigentlich-in-malawi#comments Sun, 18 Mar 2018 14:44:02 +0000 https://welcometomalawi.de/?p=278 Liebe Leser!

Mit einigen von euch hatte ich in der letzten Zeit intensiveren Kontakt, mit anderen nicht ganz so viel. So haben manche von euch die Ereignisse und Entwicklungen verfolgt, die mich schlussendlich hierher, nach Malawi, geführt haben. Andere haben inzwischen zwar erfahren, dass ich hier bin, wissen aber bislang gar nicht so recht, wie es dazu kam, und was ich hier mache. Zeit, Licht ins Dunkel zu bringen – hoffentlich etwas mehr als bei der nächtlichen Autofahrt aus dem letzten Beitrag. 😉

Vor und während der Phase meiner beruflichen Veränderung, die schlussendlich dazu geführt hat, Daimler zu verlassen, habe ich intensive Überlegungen mit Kopf, Herz und Bauch angestellt, um für mich herauszufinden, wie es denn danach weitergehen sollte. Mir war klar, dass ich zunächst einmal „etwas ganz Anderes“ machen wollte. Eine Weltreise mit dem Motorrad hat(te) es mir stark angetan (vielleicht werde ich das irgendwann noch machen), oder „etwas Soziales“ schwebte mir vor. So informierte ich mich parallel in beide Richtungen, durchstöberte einerseits Blogs von Weltreisenden, verschlang Forenbeiträge über die besten Motorräder für eine Weltreise und suchte andererseits nach passenden Organisationen für das „Soziale“. Während Ersteres recht einfach war und ich sehr viele nützliche Informationen über Motorradweltreisen fand (ich wusste am Ende ziemlich genau, welches Motorrad es werden würde, welches Zubehör ich bräuchte, was mich der Spaß kosten würde, etc.), gestaltete sich die Suche nach einer passenden Organisation für einen Freiwilligendienst oder ähnliches zunächst unerwartet schwierig.

Die Hilfsorganisation der Neuapostolischen Kirche, NAK-karitativ e. V., kannte ich bereits seit einiger Zeit. Bereits vor mehr als zwei Jahren, als ich den Jahresbericht der Organisation durchblätterte, war ich begeistert von der Arbeit, den Projekten, welche durch die Organisation in verschiedenen Ländern der Erde finanziert, koordiniert, unterstützt werden. „Das wär‘ auch mal was“, dachte ich mir, ohne auch nur im Geringsten daran zu denken, dass ich tatsächlich einmal bei „so etwas“ mitarbeiten würde. Über anderthalb Jahre später nun, als ich mir ab Mitte / Ende des letzten Jahres so meine Gedanken gemacht hatte, dachte ich natürlich auch an NAK-karitativ. Auf der Website der Organisation entdeckte ich allerdings schnell das Logo zu dem vom Bund geförderten Freiwilligenprogramm weltwärts, das sich an junge Menschen bis maximal 28 Jahre richtet. „Scheidet aus!“, dachte ich mir und machte mich anderweitig auf die Suche.

Zwar fand ich bei meiner Suche unzählige Organisationen, die sich der Unterstützung benachteiligter Spezies aller Art oder der Erhaltung der Natur verschrieben haben – von „Rettet die weiße Seemöwe 1922 e. V.“ über „Streichelt die Pandababies“ bis zu „Saubere Strände für alle“ fand ich alles. Einen Über- und schließlich für mich den Durchblick zu bekommen, war umso schwieriger. Viele der Organisationen bieten Freiwilligendienste im In- und Ausland an, allerdings meist mit einer Altersbeschränkung bis 28 oder 30 Jahre. Schließlich stieß ich auf ein paar Organisationen oder besser (Wirtschafts-)Unternehmen, die freiwillige Dienste gegen Bezahlung anboten (ein Widerspruch in sich?). Gemäß den Werbeaussagen besagter Institutionen können freiwillige Helfer ohne jegliche Vorkenntnisse Projekte in den verschiedensten Bereichen unterstützen – für eine Woche oder ein halbes Jahr. Häuser bauen, Kinder unterrichten, Tiere pflegen, die Umwelt schützen – alles problemlos möglich und eben für Geld. Dies erschien mir von Anfang an dubios und ich machte mich gezielt daran, kritische Stimmen über entsprechende „Reiseveranstalter“ zu finden. Schnell wurde ich fündig – das Ganze wird in Fachkreisen unter dem Kunstwort Voluntourism (Volunteering + Tourism) abgetan – Freiwilligentourismus also, eine Mischung aus ein bisschen Urlaub am Sandstrand mit ein bisschen (vermeintlich) helfen und (vermeintlich) Gutes zu tun. Warum vermeintlich? Eines der wahrscheinlich drastischsten Negativbeispiele entnahm ich einer Dokumentation des WDR über das wachsende Phänomen des Freiwilligentourismus: In Indien werden offenbar vermehrt Waisenhäuser eröffnet, in denen sich junge Menschen aus den reichen Ländern der Welt für eine Zeit lang um die vermeintlichen Waisenkinder kümmern können. Die Recherche der Reporter ergab allerdings, dass es sich bei den Kindern häufig gar nicht wirklich um Waisen handelt, sondern dass die Kinder ihren Eltern im besten Fall abgekauft, im schlimmsten Fall weggenommen wurden. Durch diese und weitere Berichte erkannte ich, dass es wohl nicht so einfach werden würde, eine geeignete Organisation zu finden.

Obwohl ich meine Chancen wie gesagt als gering einstufte, kontaktierte ich NAK-karitativ auf den Ratschlag eines vertrauten Ratgebers hin schließlich doch, um abzuklären, ob Möglichkeiten zur Mitarbeit im Rahmen eines Freiwilligendienstes auch für Menschen minimal über 28 bestünden. Entgegen meiner Erwartung war ich umso erfreuter, als ich von einer der Projektkoordinatorinnen aus der Zentrale in Dortmund hörte, das einem Freiwilligendienst im Ausland grundsätzlich nichts entgegenstand. Die finanzielle Förderung durch den Bund würde in diesem Fall zwar entfallen – das sollte verschmerzbar sein, dachte ich mir.
Und ab da ging alles ganz schnell und Schlag auf Schlag. Nachdem zunächst die Teilnahme an einem der Projekte in Gambia oder Kenia im Gespräch war, kristallisierte sich Malawi heraus. Die Abklärung mit der hiesigen Partnerorganisation ergab, dass man sich über Unterstützung freuen würde. Weitere Gespräche mit den Kollegen von NAK-karitativ folgten, ein Treffen mit dem Geschäftsführer Anfang Dezember sowie ein zweitägiger Besuch Mitte Januar in Dortmund.
Mein positiver Eindruck, den ich von der Organisation bereits vorab bei der Lektüre der Geschäftsberichte der vergangenen Jahre bekommen hatte, wurde bestärkt: „Das hat alles Hand und Fuß!“, es wird versucht, in den unterstützten Ländern wirklich nachhaltig zu helfen. „Nachhaltig“, dem Credo „Hilfe zur Selbsthilfe“ folgend. Dabei bekam ich den Eindruck, dass die Organisation bei allen Aktivitäten, die in den entsprechenden Ländern ausgeübt werden, sich stets selbst hinterfragt – „Macht das wirklich nachhaltig und langfristig Sinn für die Menschen? Hilft es ihnen wirklich?“. Außerdem wird ganz offensichtlich Wert darauf gelegt, den größtenteils aus Deutschland stammenden Spendern Rechenschaft darüber abzulegen, inwieweit die anvertrauten Mittel auch tatsächlich sinnvoll, im Sinn von „den Menschen wirklich helfend“, verwendet werden. Nicht zuletzt das seit 2005 verliehene Gütesiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bescheinigt NAK-karitativ den transparenten und verantwortungsvollen Umgang mit Spendenmitteln.
Schließlich habe ich den Vertrag zur Teilnahme an einem neunmonatigen Freiwilligendienst über NAK-karitativ bei der lokalen Partnerorganisation in Malawi, NACRO, unterschrieben. Warum neun Monate? Einerseits wollte ich zunächst einmal in dieses für mich doch völlig neue Feld hineinschnuppern. Außerdem wollte ich an Weihnachten wieder zu Hause sein. Passenderweise empfand auch die Organisation neun Monate als guten Kompromiss zwischen „für den Anfang nicht zu lang“ und „lang genug, um in die neue Umgebung und die Themen hineinzukommen“. Als Starttermin legten wir den ersten März fest.
Nachdem ich bei Daimler am 31. Dezember ausgeschieden war, hatte ich also ausreichend Zeit, einerseits die neu gewonnene Freiheit zu genießen, andererseits die Reise und den Aufenthalt hier in Malawi vorzubereiten. Schließlich ließ ich mich von mir selbst dazu hinreißen, nach „Breaking Bad“ endlich wieder einmal eine (elendslange) Serie zu beginnen. So nahm mich neben der Planung und Vorbereitung der Abreise auch „Game of Thrones“ ganz ordentlich in Beschlag. 🙂

Impfungen bekommen, Versicherungen abschließen, Handyvertrag auf Eis legen, Auto abgeben, Wohnung vermieten, Utensilien anschaffen, Infos einholen, Abschied feiern – die ToDo-Liste war lang, die Zeit wurde irgendwann knapp – am Ende hat alles noch geklappt und nun bin ich also seit fast drei Wochen hier. Aktuell sitze ich in T-Shirt und kurzer Hose im Schatten der Mauer, die das Grundstück umgibt, auf dem mein kleiner Bungalow steht. Um mich herum habe ich auf Anraten meines Vermieters Ben einen Kreis aus „blue death“ gezogen – einem Giftpulver zur hochwirksamen Abtötung von Ameisen, von denen es hier nur so wimmelt. „They will come as soon as you sit here“, meinte Ben und sollte Recht behalten. Zusammen mit Doom, dem Super-Multi-Instant-Insekten-Killer-Spray, ein leider notwendiges aber immerhin effektives Mittel. Inzwischen habe ich mich schon ziemlich gut eingelebt und fühle mich insgesamt sehr wohl. Auch auf der Arbeit komme ich nach und nach in die Themen rein und konnte auch schon erste Aufgäbchen erledigen. Über die bisherigen Erfahrungen in der Projektarbeit einer afrikanischen Hilfsorganisation werde ich euch in den nächsten Beiträgen berichten.

Sonnige und warme Grüße,

euer Holger

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Afrikanische Fahrstunde, Kapitel Sonderfahrten: Überland und Nacht https://welcometomalawi.de/afrikanische-fahrstunde-kapitel-sonderfahrten-ueberland-und-nacht https://welcometomalawi.de/afrikanische-fahrstunde-kapitel-sonderfahrten-ueberland-und-nacht#comments Sun, 18 Mar 2018 13:26:29 +0000 https://welcometomalawi.de/?p=250 Liebe Leser!

Heute möchte ich euch einen Einblick in meinen Arbeitsalltag geben. Inzwischen habe ich schon mehrfach die Frage gestellt bekommen, warum ich denn da mit Hemd und Hose im Büro herumsitzen würde, wo ich doch hierher gekommen sei, um richtig mit anzupacken. 🙂 Auch seht ihr auf den Bildern, dass Anthony und Erick, meine beiden Kollegen hier im Büro, sogar meist in Krawatte bei der Arbeit im Büro sind. Aber keine Sorge, hier wird auch wirklich was geschafft und heute wird es auch etwas rustikalere Bilder geben! 🙂

Das Büro hier in Lilongwe vertritt die Organisation NACRO (dazu später mehr) in Malawi. Von hier aus werden alle Projekte in Malawi koordiniert. Anthony ist der sog. Country Programs Manager, also der Hauptverantwortliche für die Projektarbeit in Malawi. Erick ist für die Buchhaltung zuständig und arbeitet ebenso in den Projekten.

Malawi wird in die nördliche Region um die Stadt Mzuzu, in die Zentralregion um die Hauptstadt Lilongwe und in die südliche Region um Blantyre, die größte Stadt des Landes, unterteilt. In den letzten Tagen waren wir, Anthony und ich, für eines der Projekte im Norden des Landes unterwegs. Erick blieb währenddessen in Lilongwe, weil er sich um die Auditoren von KPMG kümmern musste, die einige Tage bei uns im Büro waren, um die Wirtschaftsprüfung für 2017 vorzunehmen.

Mzuzu ist ca. 300 Kilometer von Lilongwe entfernt – drei Stunden Autofahrt, sollte man meinen, wenn man aus Deutschland kommt und unsere Autobahnen und Straßen allgemein gewohnt ist. Die Fahrt dauert hier jedoch regulär fünf bis sechs Stunden, je nach Verkehr, Wetter und wie oft und lang man Pausen macht. Am Mittwochnachmittag der vorletzten Woche machte ich mich also zusammen mit Anthony und unserem himmelblauen Toyota Hilux Pickup, Baujahr 2004, knapp 400.000 km auf dem Tacho, von Lilongwe in Richtung Mzuzu auf. Nachdem Anthony sich in den Tagen davor bei einigen kürzeren Fahrten innerhalb der Stadt davon überzeugt hatte, dass ich einigermaßen fahren kann, hat er sich entspannt auf den Beifahrersitz gesetzt und mir den Schlüssel in die Hand gedrückt. Nachfolgend, und bevor es an die Berichterstattung aus meiner ersten Felderfahrung in der Projektarbeit geht, hier nun meine Erlebnisse einer etwas anderen Reise.

Nachdem wir uns durch den beginnenden Feierabendverkehr aus Lilongwe heraus gequält hatten, trat ich also meine erste Überlandfahrt durch Malawi an. Die Straßen, die die größeren Städte miteinander verbinden, ähneln unseren Landstraßen. Autobahnen oder Bundesstraßen gibt es nicht, zumindest hab ich noch keine gesehen, geschweige denn befahren. Für unsere Gewohnheit auffällig ist wieder einmal, dass über die gesamte Strecke hinweg neben Autos, Lkws und ein paar Motorrädern, auch hier quasi immer Fußgänger und Fahrradfahrer am Straßenrand unterwegs sind. Wahrscheinlich übertreibe ich jetzt etwas, aber gefühlt gibt es keinen Kilometer, ohne dass man Menschen am Fahrbahnrand passiert.
Die Straßen sind von Schlaglöchern übersäht, teilweise einen halben Meter im Durchmesser und schätzungsweise bis zu 20 Zentimeter tief. Für jedes einzelne dieser Schlaglöcher würde in Deutschland die entsprechende Straße umgehend gesperrt und erst wieder freigegeben werden, wenn die Löcher fachgerecht beseitigt wurden. Zu den Fußgängern und Fahrradfahrern, denen man mit ausreichendem Sicherheitsabstand auszuweichen versucht, kommen nun also auch noch die Schlaglöcher hinzu, deren Durchfahren man tunlichst zu vermeiden versucht. In Kombination mit dem regen Gegenverkehr, der auf seiner Seite dasselbe versucht, wird die Überlandfahrt zum echten Afrikaabenteuer für Europäer und garantiert nicht langweilig! 🙂 Immer wieder einmal ergibt die Abwägung zwischen „Fußgänger“, „Fahrradfahrer“, „Gegenverkehr“ oder „Schlagloch“ dann Letzteres, sodass man es nicht immer verhindern kann, doch einmal voll durch eines der tiefen Krater hindurchzurumpeln – schon hier war ich richtig froh, mit solch einem Fahrzeug unterwegs zu sein, bei dem dann nicht direkt die Achse bricht oder der Schweller abreißt.
Eine weitere Besonderheit, die mir während der Fahrt auffiel: Immer wieder kommt man – wie bei uns daheim auf der Landstraße eben auch – durch besiedelte Gebiete. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handele sich um Ortschaften. Bei genauerem Hinschauen habe ich jedoch erkannt, dass es eigentlich ausschließlich Geschäfte, Läden, Imbisse, etc. waren. Anthony erklärte mir, dass dies sog. Trading Centers, also Handelsplätze seien. Orte und Städte, wie wir das entlang längerer Routen auf der Landstraße kennen, gibt es hier nur sehr selten. Die Trading Centers hingegen durchfährt man recht häufig. Die ländliche Bevölkerung lebt eben in vielen kleinen Dörfern, die über das ganze Land verstreut sind – die Trading Centers dienen der Versorgung der Menschen. Dies erklärte für mich auch, warum auch überland überall Menschen ohne (Kraft-)Fahrzeug auf der Straße unterwegs sind.
Das Weg-Zeit-Gefühl aufgrund der doch stark unterschiedlichen Fortbewegung hier, verglichen mit dem, was ich gewohnt war, verloren, sehnte ich mich immer wieder nach einem Verkehrsschild, das mir hätte sagen können, wie weit es noch war bis Mzuzu, gemäß „Wann simmer da?“. Es gab aber auf der gesamten Strecke zwischen Lilongwe und Mzuzu kein einziges Straßenschild, das die verbleibende Entfernung zu unserem Fahrtziel angezeigt hätte! Ich erinnere mich an nur ein Schild, das eine Abzweigung zu einem anderen Ort anzeigte, mehr nicht. Anthony erklärte mir auf meine verwunderte Frage hin, dass es einmal Verkehrsschilder gegeben habe, dass diese aber von der umliegend wohnenden Bevölkerung abmontiert worden seien, da sich Verkehrsschilder aufgrund ihrer Beschaffenheit – dünnes Blech eben – wunderbar als Baumaterial eigneten. Einerseits zum Lachen, andererseits auch nachdenklich machend, zeigt es doch, in welchen Verhältnissen die Menschen hier leben.
Immer wieder nähert man sich Polizeikontrollen, die mit „Slow down“-Schildern (diese sind meist noch vorhanden) oder Bodenrillen angekündigt werden. Entweder handelt es sich um Routineverkehrskontrollen oder um Kontrollen der Einwanderungsbehörde. Die Straße ist dann beidseitig durch Schranken, ehemalige Ölfässer mit Polizeiaufschrift oder Hütchen blockiert. Meist sind die Blockaden von mehreren Polizisten besetzt, teilweise in Tarnuniform und mit Maschinengewehr ausgerüstet. Die Kontrollen zielen offenbar größtenteils auf Güter transportierende Fahrzeuge ab; auf der ganzen Fahrt nach Mzuzu wurden wir immer durch gewunken, bei der Rückfahrt wurden wir einmal kontrolliert. Anthony meinte, die Polizisten hätten ein gutes Gespür dafür, welche Fahrzeuge sie kontrollieren und welche nicht. Außerdem erzählte er mir, dass ein Polizist im Monat nicht mehr als umgerechnet ca. 100 Euro verdiene. Nicht zuletzt deswegen sei Korruption, unter anderem bei Staatsangestellten, ein großes Problem. Mir fiel auf, dass auf den Barrikaden teilweise geschrieben steht, von welchem Unternehmen die jeweilige Barrikade gespendet wurde, also bspw. „Gespendet von Firma XY“ – das gab mir wieder zu denken. Die kleinen Häuschen, die den Straßenblockaden häufig angegliedert sind, stellen den Arbeitsplatz der diensthabenden Beamten dar. Die Häuschen sind weder mit Toilette oder fließend Wasser, noch mit Strom ausgestattet. Die Polizisten müssen ihre Notdurft während des Dienstes demnach im Freien verrichten, oder aber in einem der angrenzenden Dörfer, von wo sie manches Mal auch mit Essen versorgt werden.
Nachdem ich die Überlandfahrt als solche für meine Begriffe recht gut überstanden hatte, wurde es irgendwann, gegen 18 Uhr, langsam aber sicher dunkel. Ich schaltete das Licht ein, zu meiner Überraschung brachte dies jedoch nicht den für mich erwarteten Effekt, dadurch besser im Dunkeln zu sehen. Die Scheinwerfer der hiesigen Fahrzeuge sind häufig trüb, wobei ich noch nicht sicher herausgefunden habe, woran das liegt. Entweder sind sie über die Zeit hinweg undicht geworden und von innen angelaufen, häufig aber auch von außen „aufgeraut“. Dies zusammen mit wahrscheinlich nicht mehr den besten Glühlampen hat bei unserem Pickup jedenfalls zu einer recht bescheidenen Lichtausbeute geführt. Die am frontseitig montierten Bullenfänger angebrachten zusätzlichen Scheinwerfer zeigten für meinen Geschmack ebenfalls recht wenig Wirkung. Hinzu kam noch, dass die Frontscheibe von innen stark verschmiert ist – je weniger ich sah, umso mehr fragte ich mich warum eigentlich. Wenn der Gegenverkehr mit Fernlicht entgegen kam, welches hier häufig einfach dauerhaft betrieben wird (wahrscheinlich, weil es den anderen Fahrern mit ihrem eigenen Licht ähnlich geht, wie es mir erging), habe ich praktisch nichts mehr gesehen, es hat sich so angefühlt, als würde einem direkt eine Taschenlampe ins Gesicht gehalten werden. Nach einigen Minuten des Versuchs, mich an die neuen Lichtverhältnisse zu gewöhnen, habe ich aus Liebe zu meinem und Anthonys Leben entschieden, dass das Abenteuer hier ein Ende haben sollte, fuhr rechts, äh links ran und überließ Anthony das Steuer. Dieser hat mein Aufgeben herzlich lachend quittiert und sich an die Weiterfahrt gemacht, als ob nichts gewesen wäre. Das folgende Video zeigt einen Teil unserer spannenden nächtlichen Fahrt. Nach einer Weile des Unverständnisses darüber, wie man unter diesen Umständen fahren konnte, übermannte mich die Müdigkeit als Ergebnis der Anstrengung der letzten Stunden Fahrt, wahrscheinlich in Kombination mit meiner Malariaprophylaxe, und ich schlief ein halbes Stündchen, darauf vertrauend, dass Anthony uns schon sicher ans Ziel bringen würde. Wir hatten noch ca. zwei Stunden Fahrt vor uns, die Anthony, der erstens die hiesigen Verhältnisse gewohnt ist und zweitens die Strecke Lilongwe-Mzuzu schon etliche Male zuvor gefahren war, ohne Weiteres meisterte.

Gegen 20:30 Uhr erreichten wir also schließlich gesund und (alle Passagiere wieder einigermaßen) munter die zentrale Stadt im Norden, Mzuzu. Das Landesbüro unserer Organisation hatte bis im Oktober vergangenen Jahres hier seinen Sitz, bevor es dann in die Hauptstadt, nach Lilongwe, verlegt wurde. Wir brauchten nun noch eine Unterkunft – diese suchten wir kurzfristig und spontan, wir hatten nicht reserviert. Anthony hatte sich zuvor mit Erick abgestimmt und es gab ein, zwei Lodges, die wir ansteuern wollten. Bei der ersten angekommen, ergab das Gespräch, das Anthony mit dem Torwächter auf Tumbuka, der offiziellen Sprache im Norden, führte, dass nur noch ein Zimmer frei war. Wir fuhren also ein paar Meter weiter zur nächsten Lodge, wo genug Raum in der Herberge für uns beide war.
Im Auftrag der Hilfsorganisation unterwegs und den Spendengeldern verpflichtet, entschieden wir uns für die kleinere und damit günstigere der angebotenen Zimmerkategorien. Eine Übernachtung inkl. Frühstück kostete 15.000 Kwacha, also umgerechnet etwa 17 Euro. Wir bezogen die Zimmer, ich bereitete direkt mein Bett für die Nacht vor, indem ich das an der Decke baumelnde Moskitonetz über das Bett breitete und feinsäuberlich ringsherum unter die Matratze stopfte. Nach dem einer Wiedergeburt gleichenden Gefühl des kühlen Wassers der Dusche trafen Anthony und ich uns in dem an die Lodge angegliederten Restaurant, um uns nach der kräftezehrenden Fahrt zu stärken. Auf der Speisekarte entdeckte ich unter anderem „hybrid chicken“ und „local chicken“ und ließ mir von der freundlichen Kellnerin – Sarah Smart – und Anthony erklären, was es damit auf sich hatte. Hybrid chicken entspricht demnach dem Sechs-Wochen-Turbohähnchen, das wir auch von zu Hause her kennen. Das local chicken hingegen ist eine heimische Hühnersorte mit fleckigem Gefieder und die Tiere dürfen fröhlich umherlaufend ihr etwas längeres Hühnerleben genießen – bevor sie dann schließlich auch geschlachtet werden. Natürlich (!) entschied ich mich – entgegen der Empfehlungen der Kellnerin – für das lokale Huhn. Anthony meinte auch, dass das andere wahrscheinlich besser sei, aber ich solle das heimische ruhig einmal probieren. Ich hätte auf Sarah Smart hören sollen, das Fleisch war leider wirklich sehr sehr hart. Ich erinnerte mich an einen Kommentar des heimischen RTL2-Stars Christian Rach, der einmal die Beschwerden der Gäste in einem seiner Restaurants über zu zähes Hühnerfleisch konterte: Es sei schlichtweg nicht „normal“ im Sinn von tiergerecht, dass das Fleisch auf der Zunge zerfalle, da dies eben nur bei den Sechs-Wochen-Baby-Hühnchen der Fall sei, die sich noch nie groß bewegt und entsprechend kein Muskelfleisch entwickelt hätten. Ich war mir trotzdem sicher, dass man das local chicken noch ein bisschen zarter hätte hinbekommen können, beispielsweise mit einem schönen urdeutschen Römertopf. 😉 Erfahrung gemacht, Hunger gestillt, bereit fürs Bett – am nächsten Tag sollte es früh losgehen – nun mit der „richtigen“ Arbeit“!

Fortsetzung folgt.

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Dem Kaiser, was des Kaisers ist https://welcometomalawi.de/dem-kaiser-was-des-kaisers-ist https://welcometomalawi.de/dem-kaiser-was-des-kaisers-ist#comments Wed, 14 Mar 2018 13:08:24 +0000 https://welcometomalawi.de/?p=240 Liebe Leser!

Heute mal ein kurzer Beitrag als Ausflug in die malawische Steuerpraxis. Auf dem Rückweg vom Mittagessen ins Büro – es gab Butterfish mit Reis, Bohnen und Rabe (Stängelkohlgemüse) (das Ganze für 3,40 Euro), wieder sehr lecker! – sind wir bei der Bank vorbeigefahren, weil Erick einige Dokumente abgeben musste. Da wir warten mussten, bis wir an der Reihe waren, hatten wir etwas Zeit und Erick erklärte mir, um was es ging: Wir haben Steuern gezahlt! Zum einen die Einkommensteuer für Anthony und Erick für den letzten Monat, zum anderen die sog. Withholding Tax für einen beauftragten Vertragspartner.

Die Einkommensteuer wird bei der Auszahlung des Gehalts an den Mitarbeiter bereits einbehalten. Das Unternehmen, bei dem der Mitarbeiter beschäftigt ist, in diesem Fall also unsere Organisation, muss die Einkommensteuer ans Finanzamt abführen – soweit so gut, das ist bei uns ja prinzipiell auch nicht anders. Allerdings läuft dieser Prozess hier nicht elektronisch und automatisiert ab, sondern die Unternehmen bezahlen die Einkommensteuer für ihre Mitarbeiter jeden Monat – spätestens am 15. des Folgemonats – über die Bank an die Finanzbehörde, die MRA (Malawi Revenue Authority). Der jeweilige Bezahlvorgang wird in einem Onlinesystem, in diesem Fall ein System der MRA, angemeldet, woraufhin man eine Transaktionsnummer bekommt. Mit dieser und einem freundlichen Schreiben an die Bank, sie möge die Bezahlung dieser Transaktion doch bitte ausführen, geht man zur Bank. Die Bank bucht dann den entsprechenden Betrag vom Konto des Unternehmens / der Organisation ab und begleicht damit die Steuerschuld beim Finanzamt.

Die Withholding Tax kommt zum Tragen, wenn Geschäftspartner, mit denen man als Unternehmen zusammenarbeitet, nicht selbst direkt die Steuer für eine getätigte Leistung ans Finanzamt abführen. Dies ist hier wohl grundsätzlich der Fall, wenn ein Unternehmen noch nicht seit mindestens vier Jahren tätig ist. Selbst nach Ablauf der vier Jahre muss ein Antrag auf Ausnahme gestellt werden, um die Steuer am Jahresende direkt bezahlen zu dürfen. Das beauftragende und bezahlende Unternehmen, in diesem Fall unsere Organisation, führt also die Steuer, die eigentlich der Beauftragte zu bezahlen hat, direkt an das Finanzamt ab und zahlt an den Empfänger entsprechend weniger aus.

Die Steuerexperten unter euch – gääähn 😉 – könnten mir nun wahrscheinlich genau erklären, dass es dies in Deutschland in ähnlicher Form ebenfalls gibt – bei der Suche nach der Übersetzung von „Withholding Tax“ bin ich zumindest auf potentielle deutsche Pendants („Quellensteuer“ und Co.) gestoßen. Trotzdem fand ich es interessant und erwähnenswert. Bei Interesse werde ich gern versuchen, weitere Details zu diesem hochspannenden Thema zu liefern! 😉

Eine gute Woche euch weiterhin und sonnige Grüße!

Holger

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Wie ist es denn so in Malawi? https://welcometomalawi.de/wie-ist-es-denn-so-in-malawi https://welcometomalawi.de/wie-ist-es-denn-so-in-malawi#comments Sun, 11 Mar 2018 20:07:33 +0000 http://welcometomalawi.de/?p=212 Liebe Leser!

Diese Frage erreichte mich in den ersten Tagen, seitdem ich hier bin, schon ziemlich oft von zu Hause. Na dann will ich mal versuchen, sie zu beantworten! 🙂

Erick, mein Arbeitskollege bei der Hilfsorganisation hier, hat mich mit einem strahlenden Lächeln freudig und freundlich am Flughafen in Empfang genommen. Das war mindestens das dritte Mal, dass ich den Satz „Welcome to Malawi!“ gehört hatte, zuvor waren es die Beamten am Flughafen, die mich ebenfalls freundlich in ihrem Land willkommen geheißen haben. Mein Gepäck haben wir in Ericks Auto – (natürlich) ein Toyota, dazu irgendwann mehr – eingeladen, dann ging es in die Stadt, in Richtung meiner Unterkunft für die ersten Tage, eine Lodge, also eine Art Hotel. Aus der deutschen spätwinterlichen Eiseskälte kommend, empfand ich das Wetter hier zunächst einfach einmal angenehm warm. Sowohl vom Klima her – warm und feucht – als auch von den Gerüchen der exotisch wirkenden Blumen und allgemein der Pflanzen in der Umgebung des Flughafens habe ich mich ein bisschen wie im Gewächshaus kurz nach nach dem Eingang in der Wilhelma gefühlt. 🙂

Auf der Fahrt wurde mir klar: ich bin in Afrika angekommen! Die (asphaltierte) landstraßenartige Route in Richtung Lilongwe schlängelt sich durch die satt grüne Landschaft, die ich bereits vom Flugzeug aus als auffällig wahrgenommen hatte. Wenige Minuten nach der Abfahrt am Flughafen begann es kurz aber heftig zu regnen. Wissend, dass hier aktuell noch Regenzeit ist, nahm ich an, dass es wohl jeden Tag regnen würde. Erick erzählte mir jedoch, dass es die letzten zwei Monate über so gut wie gar nicht geregnet habe, was für die Jahreszeit sehr ungewöhnlich sei, und die Malawier sehr froh seien, dass es nun endlich regnete – „unvorstellbar“ dachte ich mir, für uns, die wir es in Mitteleuropa schlichtweg nicht kennen, von Trockenheit und deren Auswirkungen betroffen zu sein.
„How is life in Germany?“ fragte mich Erick. Ich erwiderte, dass dies ja eine ziemlich offene und nicht so einfach zu beantwortende Frage sei und konterte zunächst mit der Gegenfrage „How is life in Malawi?“. „You will experience!“ – das würde ich wohl in der Tat! Ich versuchte dann, Ericks Frage nach dem Leben in Deutschland mit ein paar Stereotypen dennoch zu beantworten. 😉
Die Straßen sind durchweg von einer Vielzahl an Verkehrsteilnehmern bevölkert – neben Autos und weiteren Kraftfahrzeugen aller Art vor allem Fußgänger und Fahrradfahrer an den Randbereichen der Fahrbahn und daneben auf dem angrenzenden, meist tiefroten, Boden. Gefahren wird hier – den britischen Kolonialisten sei Dank – links. Auffällig war anfangs für mich, dass man in der Regel maximal weit rechts auf der linken Spur fährt, um den zahlreichen „schwächeren“ Verkehrsteilnehmern genügend Raum zu lassen.

Nach einer ca. halbstündigen Fahrt kamen wir schließlich in Lilongwe, „Area 47“, an und stoppten vor dem eisernen Schiebetor der „Duka Premier Lodge“. Nach ein-, zweimaligem Hupen wurde das nur von innen öffenbare Tor zur Seite geschoben, sodass der Weg in den Innenhof frei wurde. Das für mich vorgesehene Zimmer hat Erick vorab gecheckt, ob alles den Erwartungen entsprach, schließlich wurde ich dann doch in ein anderes Zimmer gebracht, da im ersten Zimmer gerade kein warmes Wasser verfügbar war. Ich erinnere mich noch, dass Erick diesem Umzug misstrauisch entgegensah, weil die Küche an das neue Zimmer angrenzt und dadurch mit einem erhöhten Geräuschpegel ab dem frühen Morgen zu rechnen war – Erick sollte recht behalten, ab 6:00 Uhr war ich meistens gezwungenermaßen wach. 😉
Mein Gepäck im Zimmer geparkt, dann ging es los zur ersten Besorgungstour mit drei entscheidenden Einträgen auf dem Einkaufszettel: lokale SIM-Karte, Wasser, Duschgel – damit sollte ich die ersten Stunden hier überleben!
Eine weitere erste für mich unerwartete Wahrnehmung: Lilongwe, die Hauptstadt von Malawi, gleicht weniger einer Stadt, wie wir es von zu Hause her kennen. Das gesamte Stadtgebiet ist in mehrere Zonen, die sogenannten „Areas“ unterteilt, die wiederum nummeriert sind (s. o.). In den einzelnen Zonen befinden sich dann Wohngebiete, meist ummauerte Grundstücke, bebaut mit fast ausschließlich eingeschossigen Gebäuden. Vorab hatte ich bei Wikipedia gelesen, Lilongwe habe „rund 674.000 Einwohner (Stand 2008), wobei die Bevölkerung schnell wächst. Lilongwe ist durch große Grundstücke und breite, parkähnliche Boulevards geprägt. Die Stadt ist das Ergebnis weitgreifender Stadtplanung und ist in eine Alt- sowie eine durch viele Bautätigkeiten sich ständig entwickelnde Neustadt unterteilt. Die Stadtteile liegen zum Teil weit auseinander“. So richtig konnte ich mir darunter nichts vorstellen. Für deutsche Verhältnisse könnte man Lilongwe als eine großflächige Aneinanderreihung vieler Dörfer oder eben eigenständiger Wohngebiete beschreiben.

Die PrePaid-SIM-Karte des ursprünglich aus Indien stammenden Netzanbieters Airtel, der in mehreren Ländern Afrikas aktiv und in Malawi quasi Standard ist, hat Erick für mich in einem kleinen Laden besorgt. Für die Nutzung von Telefonie und Internet über das Handy kauft man hier sogenannte „Airtime“ – PrePaid-Guthaben in Form von kleinen Wertcoupons, die man im wahrsten Sinn des Ausdrucks „an jeder Ecke“ bekommt. Der Maximalbetrag – wie übrigens auch die größte verfügbare Banknote hier – ist 2.000 Malawi-Kwacha (MWK, MK oder K), das entspricht nach aktuellem Kurs ca. 2,25 Euro. Jeder Wertcoupon enthält einen Code, der freigerubbelt und dann im Handy eingegeben und das Guthaben damit aktiviert wird. Eine meiner Befürchtungen löste sich nach einer kurzen Einarbeitung in Wohlgefallen auf: das Internet ist (zumindest in der Stadt) stabil, richtig schnell und für unsere Verhältnisse günstig: zehn Gigabyte Datenvolumen kosten 15.500 Kwacha, also ca. 17 Euro. „Für unsere Verhältnisse“ ist an dieser Stelle erwähnenswert und erscheint in einem für uns ganz anderen Verhältnis, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Bevölkerung in Malawi von weniger als einem US-Dollar pro Tag lebt.

Nach einem Abstecher bei „Steers“ – Südafrika lässt grüßen – zur Stillung des ersten Hungers nach der Reise lieferte mich Erick an der Lodge ab und versprach, mich am nächsten Morgen gegen 7:30 Uhr abzuholen, um gemeinsam ins Büro der Hilfsorganisation zu fahren. So konnte ich mich in meinem Zimmer ein wenig einrichten. Die erste Dusche war eine Wohltat, wenn das Wasser auch mit etwas wenig Druck, eher tröpfelnd, aus der Leitung kam. In der Überlegung, hier nicht gleich als der verwöhnte Europäer anzuecken, entschied ich mich, erst einmal nichts bezüglich der drucklosen Dusche zu unternehmen. Stattdessen fragte ich am nächsten Tag Erick ganz vorsichtig, ob das evtl. normal sei. Er verneinte das vehement und wendete sich mit den Worten „Your guest is complaining about the shower!“ an die freundlichen Mitarbeiter der Lodge. 🙂 Als Ursache wurde die zeitweise nicht richtig funktionierende Pumpe ausgemacht, das wurde aber schnell geregelt und dann kam auch ordentlich Wasser aus der Dusche – ich war erleichtert. Die Pumpe funktionierte während meiner Woche in der Lodge mal, mal nicht, aber ich erkannte recht schnell: man kann sich sehr schnell an sehr Vieles gewöhnen…

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1000 Worte – oder so… https://welcometomalawi.de/1000-worte-oder-so https://welcometomalawi.de/1000-worte-oder-so#comments Sun, 11 Mar 2018 18:40:16 +0000 http://welcometomalawi.de/?p=196 Liebe Leser!

Endlich komme ich dazu, den vor inzwischen knapp einer Woche versprochenen ersten „echten Inhalt“ zu liefern! Die letzten vier Tage war ich für eines der aktuellen Projekte im Norden des Landes unterwegs (dazu später mehr). Dort gab es weder ausreichend Zeit und Ruhe noch zuverlässig ausreichend schnelles Internet und … – ok, genug der Ausreden, jetzt geht es ja los!

Vorab möchte ich anmerken, dass alles, was ich hier veröffentlichen werde, meine subjektive Sicht darstellt (logisch, was sonst), meine persönlichen Wahrnehmungen und die Interpretation dieser Wahrnehmungen. Es ist durchaus möglich, dass ich manche Wahrnehmung und manche Interpretation im Lauf der Zeit hier vor Ort in Malawi anpassen werde, je mehr ich mich an die neue Umgebung gewöhnt haben werde.
Einem Tipp folgend, der mich kurz nach der Ankunft hier von zu Hause erreicht hat, möchte ich meine Eindrücke, die vor allem in der Anfangszeit sicher am intensivsten sind, möglichst ungefiltert wiedergeben. Dabei versuche ich, möglichst nicht zu schnell und nicht zu sehr zu bewerten – sowohl während ich die vielen neuen Eindrücke wahrnehme, die jeden Tag auf mich einströmen, als auch wenn ich sie hier versuche wiederzugeben. Häufig schießt mir sofort der Gedanke durch den Kopf „Das geht doch so nicht!“ oder „Das kann man doch so nicht machen!“ – wahrscheinlich „normal“ oder eben menschlich, aus meiner / unserer europäischen, deutschen Prägung und Sicht heraus. Inzwischen versuche ich jedoch vermehrt, mir selbst dann eher Fragen zu stellen wie „Warum ist das hier so?“ oder sogar „Könnte das vielleicht sinnvoll sein?“.
Ebenfalls möchte ich hier noch erwähnen, dass ich für alle Fotos, auf denen konkret Menschen abgebildet sind, vorab das Einverständnis der abgelichteten Personen eingeholt habe (bei Minderjährigen die Erziehungsberechtigten bzw. gesetzlichen Vertreter 😉 ).

Voraussichtlich werde ich die verschiedenen Themenbereiche, die ich ansprechen werde, zukünftig in irgendeiner mir sinnvoll erscheinenden Form kategorisieren und zusammenfassen, sodass das Ganze eine gewisse Struktur erhält und die einzelnen Beiträge nicht zu lang(atmig) werden. Für heute bitte ich um Verständnis, dass es noch etwas unstrukturiert sein wird. Der Einfachheit halber werde ich die ersten beiden Wochen, die durch die nächsten Einträge abgedeckt sein werden, mehr oder weniger chronologisch „abarbeiten“, sodass ich nichts mir erwähnenswert Erscheinendes vergesse.

Bevor ich über meine Eindrücke hier in Malawi tatsächlich berichten kann, möchte ich dem interessierten Leser nicht vorenthalten, wie ich hier überhaupt hergekommen bin – ein kurzer Anreisebericht also. Wen das nicht interessiert, darf dann gern gleich zum nächsten Artikel übergehen.

Die Anreise ab Sonntagabend, 25. Februar, gestaltete sich völlig problemlos – ich schrieb es manchem schon auf anderem Weg, das war schon fast unheimlich. Irgendwann dann doch unter massivem Zeitdruck, habe ich beim Packen am Sonntagnachmittag irgendwann aufgegeben, zu versuchen, alles Gepäck in den zwei großen Koffern unterzubringen, die ich kostenlos mitnehmen durfte, packte einen dritten (kleinen) Koffer und nahm in Kauf, dass dieser dann eben luftfrachtübliche Extrakosten verursachen würde. Mit dem Zug ging es vom Stuttgarter Noch-Kopfbahnhof nach Frankfurt – von dort aus mit Ethiopian Airlines über Addis Abeba (Äthiopien) nach Lilongwe, der Hauptstadt von Malawi. Die nette Flughafenmitarbeiterin beim Check-in in Frankfurt ließ sowohl meine beiden jeweils um ein paar Kilos zu schweren großen als auch den zusätzlichen kleinen Koffer kostenlos (!) durch, mit dem Kommentar „Diese Airline macht da keine Probleme“. Mein Handgepäck, was ziemlich genau doppelt so schwer war wie eigentlich erlaubt, wurde auch nicht gewogen. Erste Hürde deutlich problemloser als erwartet überwunden!
Nach einem ruhigen und entspannten Nachtflug mit einem freien Platz zwischen mir und meinem Sitznachbarn erreichte ich gegen 3 Uhr morgens Addis Abeba – Zwischenstopp in einer anderen Welt, das wurde schon auf dem Flughafen deutlich. Pünktlich ging es ein paar Stunden später weiter und gegen 13 Uhr Ortszeit landete ich auf dem Kamuzu International Airport in Lilongwe, ein gemütlicher kleiner Flughafen, verglichen mit Frankfurt. Was mir bereits beim Landeanflug auffiel: Malawi ist (aktuell) unglaublich grün und durchzogen von unzähligen Sträßchen mitten im Grün, die meisten davon rot und damit nicht asphaltiert.
Als erste Amtshandlung vor Ort musste ich mich um das Visum kümmern, um überhaupt wirklich einreisen zu dürfen. Dies wird direkt vor Ort erledigt. Zuerst hatte ich ein Formular auszufüllen – wer bin ich, was will ich in Malawi, wie lange werde ich bleiben und wo und so weiter. Meine Einladungsschreiben von der deutschen und hiesigen Organisation sowie mein beglaubigt übersetztes Führungszeugnis (das ich am Sonntag kurz vor Abflug noch Spitz auf Knopf bei einer freundlichen Übersetzerin in Stuttgart abgeholt hatte) – alles hatte ich parat und machte mich auf ein gründliches Verhör durch die Beamten der Einreisebehörde gefasst. In einer recht langen Schlange stellte ich mich an, um also ein 12-Monats-Visum zu beantragen, das die mehrfache Ein- und Ausreise erlaubt. An der Reihe, wollte der Beamte zu meiner Überraschung keines meiner mitgebrachten Dokumente sehen, er überflog nur schnell das ausgefüllte Formular, versicherte sich nochmals, dass ich wirklich das angekreuzte Visum wollte, wies mich darauf hin, dass dies 250 US-Dollar kosten würde und schickte mich dann zum nächsten Beamten, wo die Bezahlung erfolgen sollte. In der Zwischenzeit war sicher schon eine Stunde vergangen. Eine Dame in Uniform, die mit ihrem Handy telefonierte, näherte sich mir und forderte mich auf, ihr meinen Reisepass zu zeigen. Ich wusste nicht so recht, wer sie war und was sie wollte und zeigte ihr doch zögerlich meinen Pass – die 250 US-Dollar Visagebühr nahm ich zuvor heraus. Sie meinte, ich solle ihr den Pass geben, sie würde sich um mein Visum kümmern, sodass es schneller gehe. Misstrauisch, wie ich als Deutscher eben so bin ;-), habe ich dankend abgelehnt und gemeint, es würde sicher nicht mehr lange dauern und ich würde ja bald an der Reihe sein. Sie kehrte dann auf ihren Platz in einer der Kabinen zurück, erst da erkannte ich, dass sie eben auch eine Beamtin der Einreisebehörde war, an der ich später sowieso vorbeikommen würde. Ohne zu verstehen, was gesprochen wurde, erkannte ich, dass sie mit ihrer Kollegin in der Kabine nebenan über den „Mzungu“ scherzte – ich musste dann selbst über mich lachen und hatte die erste kleine Lektion gelernt, dass man manches Mal auch einfach Vertrauen haben könnte. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass mein Arbeitskollege Erick, der draußen am Flughafen auf mich wartete, seine Verbindungen spielen lassen wollte, um mir – und sich 😉 – weitere Wartezeit zu ersparen. Ich blieb also schön in der Schlange, um ganz regulär zu Bezahlen, ohne Abkürzung. Dann über die nächste Schlange zum nächsten Schalter, wo die freundliche Dame mich lachend empfing und das Visum vorbereitete, schließlich zum letzten Schalter, wo das Visum dann in meinen Pass eingeklebt wurde. Abschließend ging es dann noch durch die Passkontrolle, die ich mit dem soeben erhaltenen Visum problemlos passierte. Damit war ich offiziell in Malawi angekommen!

PS: Bilder gibt’s dieses Mal keine, die hatte ich ja bereits vorab geliefert. Für diejenigen, die den Blog zum ersten Mal besuchen, hier geht es zu den ersten Eindrücken.

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Erste Eindrücke https://welcometomalawi.de/erste-eindruecke https://welcometomalawi.de/erste-eindruecke#comments Mon, 05 Mar 2018 19:55:41 +0000 http://welcometomalawi.de/?p=37 „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – ein paar erste Eindrücke in Form von Bildern, die Worte folgen asap!

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Jetzt aber: Herzlich willkommen! https://welcometomalawi.de/jetzt-aber-herzlich-willkommen https://welcometomalawi.de/jetzt-aber-herzlich-willkommen#comments Mon, 05 Mar 2018 19:19:38 +0000 http://welcometomalawi.de/?p=20 Liebe Familie, liebe Freunde, liebe (frühere) Kollegen, liebe Interessierte – zusammengefasst und ab jetzt einfach „liebe Leser“!

Es ist soweit – der erste Blogeintrag und für den einen oder anderen auch das erste Lebenszeichen von mir seit einiger Zeit! Damit sei gleich der Beweis erbracht, dass ich 1. noch lebe, 2. inzwischen gut in Malawi angekommen bin und es mir 3. gut geht (Letzteres müsst ihr mir halt glauben)! 🙂 Bereits in der Abschiedsphase „beim Daimler“ Ende 2017 und immer wieder in den letzten Wochen und Tagen zu Hause bekam ich mehrfach die Frage gestellt, ob es denn dann auch einen Blog geben würde, um euch an dem teilhaben zu lassen, was nun vor mir steht. Fleißig habe ich diese Frage überzeugt bejaht und der Merker „Blog“ stand schon eine ganze Weile auf meiner ToDo-Liste vor der Abreise. Irgendwann musste ich dann aber priorisieren, weil die Zeit – wer hätte es gedacht – schließlich doch knapp wurde. Dinge, die schlichtweg nur von zu Hause aus erledigt werden konnten, bekamen dann eben Vorrang, die Einrichtung des Blogs habe ich dann erst hier – vor Ort – in Malawi – in Angriff genommen.

Der letzte und bis dato einzige Blog, den ich jemals zuvor geschrieben hatte, stammt aus meiner Zeit als Praktikant bei Daimler in Südafrika 2007/2008 (der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch). Damals noch recht einfach gehalten – und viel zu selten mit Inhalten gefüllt. Das soll dieses Mal – zehn Jahre später, zehn Jahre weiser – etwas besser werden! Als Basis für den Blog habe ich mich – nach eingehender Recherche auf dem Flughafen von Addis Abeba während meines frühmorgendlichen Zwischenstopps auf der Anreise – für WordPress entschieden. Was ihr, liebe Leser, heute seht, ist das vorläufige Ergebnis meiner ersten Gehversuche in diesem für mich noch recht neuen Feld. Die Seite wird sich voraussichtlich sowohl was das Design als auch die Struktur betrifft noch etwas oder vielleicht auch deutlich verändern. Entgegen meiner ursprünglichen Planung, entgegen meiner grundsätzlichen Tendenz und mit einer gewissen Unzufriedenheit mit mir selbst ist der Blog nun also noch nicht zu 100 % „fertig“, sondern wird nach und nach entstehen, wachsen, sich verändern und entwickeln – eigentlich toll, oder?! 😉

Glücklicherweise ist es heutzutage ja ziemlich einfach, weltweit miteinander in Verbindung zu stehen – und deutlich einfacher als bspw. damals von / nach Südafrika. So konnte ich mit einigen von euch in den letzten Tagen schon auf unterschiedliche Art der elektronischen Kommunikation Kontakt aufnehmen und bereits die ersten Infos aus meiner neuen Umgebung mit euch teilen. Dennoch erreicht mich immer wieder die Frage nach dem Blog, bis hin zur geradezu energischen Forderung ;-). Um dem gerecht zu werden, und da es so doch etwas einfacher ist, mehrere Interessierte gleichzeitig mit Infos zu versorgen, will ich nicht länger warten und den ersten Beitrag in die weite Welt hinausposaunen!

Bevor es tatsächlich an die wirklichen Inhalte geht, vorab noch eine Bemerkung zum Titel meines Blogs „Welcome to Malawi“. Natürlich habe ich mir vorab ein paar Gedanken gemacht, wie ich den Blog am besten nennen würde. Etwas à la „Holger in Malawi“ fand ich zu einfallslos und, bescheiden wie ich bin, zu ich-bezogen. „Freiwilligendienst in Malawi“ wäre zu lang und zu eingeengt. Einfach und einprägsam sollte der Titel werden (so rieten es die Blogratgeberseiten in Addis Abeba), gleichzeitig aussagekräftig. Nicht zu lang. Schließlich musste die gewünschte Domain auch noch frei sein. Am Ende entschied ich mich, die Entscheidung zu vertagen und bestieg das Flugzeug nach Lilongwe. Nachdem ich hier dann die ersten Begegnungen mit den Einheimischen hatte, stand es recht schnell und recht klar in mir: der Blog sollte ganz einfach „Welcome to Malawi“ heißen. Warum? Weil das der Satz war und ist, der mir hier bislang am häufigsten entgegengebracht wurde, als ich verschiedenen Menschen begegnet bin. Dabei habe ich das nie als Floskel empfunden – etwas, das man zu einem Fremden, der ins eigene Land kommt, eben höflichkeitshalber sagt – sondern als ein echtes und warmherziges Willkommen-heißen; manches Mal passenderweise ergänzt um den Nachsatz „…the warm heart of Africa“, wofür Malawi bekannt ist. Ich sehe den einen oder anderen nun schon vor meinem geistigen Auge denkend / sagend / mich bald fragend „Aber warum denn bitte um Himmels willen ‚.de‘?“. Gute Frage – auch dies ist wohlüberlegt und am Ende bewusst so gewählt. Es gibt eine Unmenge an Domainendungen, u. a. auch so schöne und zu dieser Seite so passende wie bspw. „.africa“. Einerseits dachte ich mir aber, dass die Seite überwiegend von interessierten Lesern aus Deutschland konsumiert werden würde (deshalb und weil es einfach einfacher ist, erscheint der Blog übrigens auf Deutsch) und daher „.de“ für die meisten einfach am einfachsten zu merken sein dürfte (s. o.). Zum anderen kam bei der Festlegung auf „.de“ auch der Schwabe und ehemalige Cost Engineer in mir durch: die anderen Endungen sind alle, teilweise deutlich, teurer. 🙂

So, das soll genug der Vorrede sein. Ebenso, wie ihr euch (hoffentlich! 😉 ) freut, von mir zu hören, bzw. hier von meinen Erlebnissen zu lesen, freue ich mich, von euch zu hören – auf eure Rückmeldungen, eure Kommentare, eure Fragen, eure Anregungen!

Damit herzliche erste Grüße aus Lilongwe, Malawi,

euer Holger

PS: Es wird im weiteren Verlauf nur die männliche Wortform verwendet. Wer sich daran stört, möge bitte nichts sagen, sondern für immer schweigen! Er (!) darf sich bei Bedarf hier austoben! 😉

 

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